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  • Rosamunde Pilcher und die Hölle – nur eine Spekulation

    Ob man etwas als „Hölle auf Erden“ bezeichnet, hängt natürlich immer auch davon ab, welche Abneigungen man so pflegt. Für mich wäre zum Beispiel die Hölle, mir von Anfang bis Ende einen Rosamunde Pilcher Film ansehen zu müssen, was vor allem daran liegt, dass ich mit dieser süßlichen Art, über Liebe zu reden, nicht viel anfangen kann.

    Nun frage ich mich allerdings, was wohl wäre, wenn ich so weit entmenschlicht wäre, dass ich nicht nur mit Rosamunde Pilcher, sondern mit Liebe an sich nichts anfangen könnte. So Adolf Hitler im Endstadium.

    Im Buch der Offenbarung gibt es ja diesen Vers: „Und der Teufel, der sie verführte, wurde geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, wo auch das Tier und der falsche Prophet waren; und sie werden gequält werden Tag und Nacht, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

    Wenn ich das lese, frage ich mich, wer quält hier eigentlich? Kann es möglicherweise sein, dass es Gottes Liebe ist, die auch in der Hölle brennt, aber weil der Teufel und die Seinen und Gleichgesinnten sie scheuen wie das Weihwasser, wird das, was eigentlich heilsam ist, ihnen zur Qual? Und hier muss ich nun an Hannelore Kohl denken, die aufgrund einer Lichtallergie ihren Lebensabend mehr oder weniger im dunklen Keller verbracht hat. Wenn Gott also Licht ist, dann hat möglicherweise auch der Teufel so eine Art Lichtallergie, aber es gibt in der Hölle keinen Keller, wo man sich vor diesem Licht verstecken könnte.

    Ist das so, drängt sich natürlich die Frage auf, warum überhaupt ein von Gott geschaffenes Wesen so sehr entwurzelt sein kann, dass es lieber vor Gott flüchtet, als sich seiner Liebe auszusetzen. Dazu zwei Gedanken:

    Erstens kennt man ja vom Menschen, dass sich die eigenen selbst verschuldeten Qualen auf eine seltsame, selbstgefällige Art auch sehr gut anfühlen können – so gut, dass man lieber darin verharrt, anstatt seine Schuld einzugestehen. Man denke dabei – früh übt sich – zum Beispiel an einen Vierjährigen, der lieber hungrig ins Bett geht, anstatt sich bei seiner Mutter zu entschuldigen. Oder man denke an den Spruch „Wer anderen etwas nachträgt, der hat die meiste Last“. Würde sich diese Last nicht auch irgendwie gut anfühlen, dann gäbe es keinen Grund, sie noch länger mit sich herumzuschleppen.

    Und nun zweitens kennt man ja leider auch vom Menschen, und hier bin ich wieder bei Hitler, dass das Böse so sehr von einer Person Besitz ergreifen kann, dass irgendwann beide miteinander verschmelzen und man nicht mehr weiß, wo die Person anfängt und das Böse aufhört. So wie mit meinem Pausenbrot, das ich als Schuljunge in meinem Ranzen vergessen hatte, da hätte man nach 7 Wochen auch nicht geahnt, dass der schrumpelige grüne Schimmelschwamm einmal essbar war. Was ich sagen will, wenn also alle Stimmen, die in einer Person „Zurück!“ rufen, erst einmal verstummt sind, dann kann es für diese Person eigentlich auch kein Zurück mehr geben.

    Und jetzt wäre ich eigentlich fertig, aber ich muss noch an den reichen Mann denken, der in dem Lazarus-Gleichnis von Jesus in der Hölle landet und dort Qualen leidet. Aus dem, was er sagt, kann man nicht schließen, dass er Gottes Liebe per se nicht erträgt, denn sonst würde er sich nicht in Abrahams Schoß wünschen. Wenn aber nicht das, dann kann ich mir stattdessen gut vorstellen, dass seine Qualen daher rühren, dass er in dem klaren Licht der Liebe Gottes auf einmal einen ungetrübten Blick auf sein bisheriges Leben hat und mit Schrecken erkennt, was er sich und seinen Mitmenschen so alles angetan hat. So gesehen wäre ein großer Unterschied zwischen Himmel und Hölle, dass man im Himmel aus angenommener Vergebung lebt, während man in der Hölle von dem eigenen Versagen aufgefressen wird.

    Aber ich zitiere noch einmal aus der Überschrift, all dies ist Spekulation.

  • Gott und Moral

    Mindestens zwei Dinge fallen mir auf Anhieb ein, die a priori feststehen, ohne dass man sie noch groß begründen müsste. Das eine ist, dass aus Nichts nichts werden kann. Und das andere, dass der Mensch ein moralisches Wesen ist.

    Ersteres ist selbstevident und bedarf daher keiner weiteren Erklärung, denn wenn ich daran zweifeln würde, dass auch Nichts nichts werden kann, dann muss ich auch gleichsam an meiner Logik zweifeln. Wenn ich aber erst einmal soweit bin, an meiner zuverlässigsten Denkmethode zu zweifeln, dann muss ich eigentlich gar nicht mehr nachdenken und dann ist auch egal, ob aus Nichts nichts oder doch etwas werden kann.

    Hinsichtlich zweiterem könnte man zwar immer noch fragen, warum man moralisch sein soll, doch weil man, indem man die Frage stellt, bereits nicht mehr moralisch ist, da man nach Gründen sucht, welche die Moral rechtfertigen, erübrigt sich auch diese Frage. D.h. moralisch bin ich nur dann, wenn ich einsehe, dass man einen anderen Menschen per se nicht töten darf. Wenn ich anfange, nach Gründen zu suchen und z.B. sage, ich darf ihn nicht töten, weil ich dann eingesperrt werde, bin ich in dem Fall schon nicht mehr moralisch.

    Wenn also zum Ersten aus Nichts nichts werden kann, dann muss das Universum – müssen wir – aus irgendetwas hervorgegangen sein. Weil aber das, woraus wir hervorgegangen sind, größer sein muss als wir sind, muss Gott, weil wir moralisch sind, mindestens auch moralisch sein. Weil Moral aber eine personale Eigenschaft ist, muss Gott mindestens Person sein.

    Insofern aber zum Zweiten der Mensch a priori einsieht, sich moralisch verhalten zu sollen, aber es in vielen Fällen nicht tut, gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was der Mensch sein soll und dem, was der Mensch ist. Weil aber Gott es ist, der die Moral in den Menschen hineingelegt hat, gibt es somit auch eine Diskrepanz zwischen Mensch und Gott.

    Das Dilemma dabei ist, dass es dem Menschen unmöglich ist, seinen eigenen Schaden zu reparieren. Gott wäre es zwar möglich, aber von außen kann er nicht viel tun. D.h. er könnte den Menschen zwar dazu zwingen, moralisch zu sein, doch weil der Mensch somit einen Grund hätte, moralisch sein zu müssen, wäre er schon nicht mehr moralisch. Oder er könnte auch den Menschen so ummogeln, dass er gar nicht anders kann als moralisch zu sein, aber weil Moral immer ein freiwilliger Akt ist, auch moralisch sein zu wollen, wäre er damit auch nicht mehr moralisch (ebenso wenig wie eine Maschine moralisch wäre, die sich moralisch verhält).

    Weil sich der Mensch aber lediglich dazu entscheiden kann, moralisch sein zu wollen, aber nicht dazu, es auch zu sein (ein Alkoholiker kann zwar mit dem Trinken aufhören wollen, aber er kann nicht mit dem Trinken aufhören), ist die wahre freie Entscheidung, die er zu fällen hat, nicht die, zwischen „moralisch falsch“ und „moralisch richtig“, sondern die, für oder gegen einen moralischen Gott, der ihn dazu befähigt, das moralisch Richtige nicht nur zu wünschen, sondern auch zu wählen.

  • Das Leben ist ein Geben und Nehmen

    Ein wichtiger Aspekt des Gebens ist, dass man nicht nur seine Gabe gibt, sondern dass man sein Geben gibt – und damit sich selbst. Wenn somit der Geber seine Gabe, sein Geben und auch sich selbst zu verschenken hat, dann liegt es am Beschenkten, nicht nur die Gabe anzunehmen, sondern gleichsam auch das Geben und den Geber.

    Demnach entsteht echte Gemeinschaft nur dann, wenn der Geber gerne gibt und der Nehmer gerne nimmt. Denn wenn der Geber nicht gerne und aus freien Stücken gibt, dann gibt er zwar seine Gabe, aber nicht sich selbst. Und wenn der Nehmer nicht gerne nimmt oder es ihm unangenehm ist, etwas geschenkt zu bekommen, dann nimmt er zwar die Gabe, aber nicht den Geber.

  • Mein Blog als Buch

    BuchIn den vier Jahren, dich ich mittlerweile an diesem Blog schreibe, sind ja schon so manche Zeilen zusammengekommen. Und weil der eine oder andere Gedanke doch ganz erhellend war, dachte ich mir, es schadet nichts, die besten Beiträge in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und als E-Book zu veröffentlichen.
    Das Büchlein ist 63 Seiten lang und kostet bei Amazon knapp einen Euro. Bei geschätzten zwei Stunden Lesespaß also noch nicht einmal ein Cent pro Minute.

  • Wofür man beten soll

    Ich hatte mich ja bereits als großer Fan von Erich Fromm geoutet. Speziell von „Haben oder Sein“. Und nun frage ich mich gerade, ob man das Prinzip von Haben oder Sein nicht auch auf Gott anwenden kann. Beziehungsweise auf unsere Erwartungshaltung ihm gegenüber. D.h. ist Gott gut und wir denken ihn in der Kategorie „Haben“, dann gehen wir davon aus, dass er viele Güter hat, die im besten Fall auf uns übergehen. Denken wir ihn hingegen in der Kategorie „Sein“, dann ist er gütig und nicht seine Güter, sondern seine Güte geht auf uns über. Bzw. auch nicht auf uns über, sondern durch uns hindurch, was insofern einen Unterschied macht, als dass die Güte zu den Dingen gehört, die man erst besitzt, nachdem man sie weggegeben hat.

    Oder wie der Philosoph Emmanuel Levinas das alles formuliert:

    „Gott überhäuft mich nicht mit Gütern, sondern er drängt mich zur Güte, was besser ist als alle Güter, womit man uns überhäufen könnte“.

    Wofür soll man also beten? Vielleicht zunächst einmal darum, etwas von Gottes Güte abzubekommen, damit man dann, wenn man etwas von Gottes Gütern abbekommt, damit auch gütig umgehen kann.

  • Goethe, Gandalf und ein Gott, der an uns glaubt

    Ich mag das Zitat von Goethe, dass man den Menschen schlechter macht als er ist, wenn man ihn so nimmt wie er ist. D.h. wenn man schon unbedingt einen Menschen beurteilen möchte, dann muss man immer auch die Möglichkeiten mit berücksichtigen, die in ihm stecken.

    Passend dazu sagt im Herrn der Ringe Gandalf (der Zauberer) zu Aragorn (dem zukünftigen König), dass Sauron (der Böse) keine Angst vor dem hat, was er (Aragorn) ist, sondern vor dem, was er einmal sein wird. Oder noch etwas tiefer angesetzt würde Gandalf über Saruman (den bösen Zauberer) vielleicht sagen, dass man trotz aller Boshaftigkeit niemals die Hoffnung verlieren sollte, dass Saruman wieder zur Besinnung kommt.

    In dem Buch „Die Hütte“ gibt es dazu den schönen Satz, dass Gott es sogar liebt, wenn wir Fehler machen, weil er genau weiß, dass wir denselben Fehler, bis wir ihn endlich korrigieren, nun nicht mehr 40, sondern nur noch 39 Mal begehen.

    Wenn demgemäß Paulus über die Liebe – und somit auch über Gott – sagt, dass sie alles glaubt, dann heißt dies (meiner Meinung nach), dass selbst dann, wenn wir etwas schon tausend Mal falsch gemacht haben, Gott immer noch daran glaubt, dass wir es beim nächsten Mal auf jeden Fall richtig machen werden. Wäre Gott im Pferderennengeschäft und wir seine Pferde – er hätte mit uns wahrscheinlich schon sein komplettes Vermögen verzockt. Dem besonders nachtrauern würde er aber wohl trotzdem nicht, denn unabhängig davon, dass Geld für einen allmächtigen Gott jetzt auch nicht die ganz große Rolle spielt, ist er lange genug im People-Business, um zu wissen, dass nichts den Menschen so sehr verändert wie die Hoffnung, die einer in den anderen setzt.

  • Wo man so alles Gott findet

    Augustinus meinte einmal, Gott ist höher als mein Höchstes und inniger als mein Innerstes. Gott ist also nicht mein Höchstes oder mein Innerstes, das wäre Pantheismus, sondern Gott wartet an der Schwelle meines Höchsten oder Innersten. Und ich ergänze, auch Weitesten, denn der geistige Blick geht nicht nur nach oben oder innen, sondern vor allem zur Seite.

    Dass Gott höher als mein Höchstes ist, und somit dort ansetzt, wo für meinen Verstand die Luft bereits dünn wird, erinnert mich an ein Zitat von Heisenberg, von wegen, der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers wartet Gott.

    Wie mit dem Höchsten, so aber auch mit dem Innersten. Oben ist das Wasser noch trüb – eingetrübt von den eigenen Dämonen, für die der Dreck, den man ständig in seinem Herzen produziert, genau das richtige Badewasser ist. Dort ist von Gott natürlich keine Spur, ganz im Gegenteil, wahrscheinlich macht auch diese Brühe atheistisch. Aber je tiefer man taucht, desto klarer wird das Wasser, bis man ganz unten, im Kern des eigenen Herzens, auf einmal gute Sicht hat und an der Schwelle der ungetrübten Selbsterkenntnis Gott findet.

    Wie mit dem Innersten, so aber nun auch mit dem Weitesten. Wobei, um das deutlich zu machen, nicht Australien am weitesten entfernt ist, sondern mein Mitmensch. D.h. ich brauche viel länger, um zu dem Herzen eines anderen Menschen durchzudringen als nach Australien zu gelangen. Ebenso wie ich aber auf der Reise in mein Innerstes mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert werde, so werde ich auf der Reise zu meinem Mitmenschen mit seinen Unzulänglichkeiten konfrontiert - und freilich auch denen, die zwischen uns liegen. Aber auch hier gilt, je weiter ich vordringe, desto weniger Steine liegen im Weg, bis ich irgendwann, am Ende dieser Reise, auf einen Menschen treffe, so wie er wirklich ist, und in ihm nicht nur mich selbst entdecke, sondern dahinter auch Gott.

    Wie gesagt hat das alles nichts mit Pantheismus zu tun, denn es ist nicht so, dass man das, was man im Verstand, im Nächsten oder in sich selbst findet, dann einfach Gott nennt, sondern es ist eher so, dass man an einen Punkt kommt, der den Blick über den Verstand, den Nächsten oder sich selbst hinaus schärft und man dort, wo man nicht mehr von dem künstlichen Licht dieser Welt geblendet wird, ein paar Strahlen von Gottes Licht einfängt.

  • Freiheit – wie viele Wege führen zu Gott?

    Man möge mich nicht auf den Wortlaut festnageln, aber wenigstens der Richtung nach hat Hegel einmal so etwas gesagt wie, dass Freiheit der Wille zur Endlichkeit ist. Weniger geschwollen ausgedrückt meint er damit eigentlich nur, dass man sich entscheiden muss. D.h. wer Obst essen möchte, der darf an der Theke nicht nach Obst verlangen, sondern nach einem Apfel oder einer Birne. Oder es hilft auch nichts, wenn man Frauen an sich mag, aber sich nicht für eine bestimmte, meinetwegen Brunhilde, entscheiden kann.

    Freiheit verwirklicht sich demnach immer im Konkreten. Und das heißt natürlich auch, dass mit Freiheit immer Begrenztheit einhergeht. Denn sobald ich mich auf Brunhilde einlasse, werde ich gleichzeitig von Brunhilde begrenzt; inklusive dem Risiko, dass das mit Brunhilde nicht klappt oder spätestens der Tod uns einmal scheiden wird. Vielleicht redet Hegel deswegen von einer Willensentscheidung für die Endlichkeit.

    Wenn nun Gott die Freiheit schlechthin ist, dann sollte man sich nicht wundern, wenn dieselben Prinzipien auch auf ihn zutreffen und er sich im wahrsten Sinne des Wortes für die Endlichkeit entscheidet. D.h. entscheidet er sich für uns, dann kann er sich nicht für den Menschen als Idee oder im Allgemeinen entscheiden, sondern dann muss seine Entscheidungsfreiheit konkret werden und sich in Zeit, Raum und Geschichte verwirklichen. So gesehen macht es dann aber auch Sinn, dass Gott an einem konkreten Ort (Palästina) zu einer konkreten Zeit (zurzeit von Kaiser Augustus) die Weltbühne betritt, um als konkreter Gemeinschaftspartner in einer konkreten Situation mit konkreten Menschen Gemeinschaft zu haben.

    Wenn das aber stimmt, dann geht es womöglich gar nicht so sehr darum, wie viele Wege zu Gott führen, sondern dann ist die entscheidende Frage, welchen Weg Gott einschlägt, um zum Menschen zu gelangen.

  • Freiheit – nicht Wollen, sondern Sollen

    Noch einmal kurz zur Freiheit. So wie ich ja beim letzten Mal schon festgestellt habe, dass im Empfangen mehr Freiheit steckt als im Tun, so steckt, frei nach Kant, im Sollen auch mehr Freiheit als im Wollen. Denn wenn ich etwas will, dann könnte man fragen, warum ich es will, wobei sich dann gemeinhin herausstellt, dass ich, alle Motive, warum ich es will, zusammengenommen, gar nicht anders kann als es zu wollen. Wenn ich aber etwas soll, dann könnte ich, obwohl ich anders wollte, trotzdem dem Sollen gehorsam sein.

    Wenn ich also etwas will, dann bin ich leicht Sklave meines eigenen Wollens. Wenn ich dagegen etwas soll, dann bin Ich es, der sich zwischen dem Sollen und dem Wollen entscheiden muss – und somit, weil ich überhaupt zwei Optionen habe, zwischen denen ich mich entscheiden kann, frei.

    So gesehen könnte man auch sagen, dass echte Freiheit darin besteht, auf eine Forderung, die an mich herangetragen wird, zu antworten. Beziehungsweise dann könnte man auch sagen: Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen.

  • Freiheit - nicht Leisten, sondern Empfangen

    Ein interessanter Gedanken, wenngleich noch nicht ganz ausgereift. Freiheit drückt sich ja gemeinhin darin aus, dass einem keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Das wiederum bedeutet, dass Freiheit immer etwas mit Bewegung zu tun, denn erst, wenn ich mich bewege, gibt es überhaupt die Möglichkeit, mich zu begrenzen. Und das gilt natürlich nicht nur für körperliche Bewegung, sondern insbesondere auch für geistige. Je stärker ich demnach geistig aktiv bin, desto mehr Freiheit genieße ich. Und hier könnte jetzt ein Plädoyer kommen, sich nicht durch Kommerz und Konsum versklaven zu lassen. Oder ich könnte dazu ermuntern, sich nicht nur einseitig zu bilden, da Gedanken, die sich im Kreis drehen, keine freien Gedanken sind. Aber beides ist nicht mein Anliegen.

    Mit geht es vielmehr um die bescheidene Einsicht, dass unsere Aktivität, und damit unsere Freiheit, dann am größten ist, wenn wir augenscheinlich passiv sind – wenn wir also nicht leisten, sondern empfangen. Was ich meine, zeigt sich am besten im Kontrast zwischen Reden und Zuhören. Zwar bin ich beim Reden scheinbar aktiver, aber da ich länger konzentriert Reden als Zuhören kann, scheint das Zuhören weitaus mehr Aktivität vorauszusetzen – und somit auch mehr Freiheit zu bedingen.

    Andere Beispiele finden sich im Sexuellen, worauf ich nicht näher eingehen will, aber Alice Schwarzer sollte ruhig mal darüber nachdenken, oder natürlich im Religiösen. Wenn Jesus also sagt, „Empfangt den Heiligen Geist!“, dann könnte man meinen, dies sei ein einmaliger Akt und dann hätte man ihn. Aber um es mit Erich Fromm zu sagen, geht es auch in diesem Fall eben nicht um das Haben, sondern um das Sein. Also darum, sich mit einem ganzen Sein und seiner ganzen Aktivität kontinuierlich auf Gott auszurichten, um in einem freiwilligen Prozess Freiheit zu empfangen.

    Denn das muss man ja auch noch bedenken, dass Freiheit nicht nur von der Empfängnisbereitschaft abhängt, sondern auch von dem, was man empfängt. Das heißt, es macht einen großen Unterschied, ob man konzentriert Gott oder dem Teufel zuhört. Aber genauso macht es eben auch einen großen Unterschied, ob ich Gott konzentriert oder gleichgültig zuhöre. Auf öffentlichen Toiletten sehe ich z.B. immer wieder, wie Menschen sich „die Hände waschen“ indem sie den Wasserhahn für den Bruchteil einer Sekunde auf- und wieder zudrehen. Vielleicht ist es dasselbe mit Gott. Vielleicht werden wir deswegen nicht richtig sauber, weil die Tradition uns gelehrt hat, es genüge, schnell mal die Fingerspitzen unters Wasser zu halten.

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