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  • Jesus und die Frage nach dem Leid

    Ein Gedanke, etwas verspätet zu Karfreitag: Wenn Jesus wirklich der „heruntergekommene Gott“ ist, der in seinem kurzen Menschenleben von Hunger, Krankheit, Erniedrigung, Ablehnung, Verachtung bis hin zu einem extrem qualvollen Tod eigentlich alles an Leid erlebt, was das Leben so aufzuwarten hat, dann ist es gar nicht mehr so einfach, Gott für das, woran wir leiden, an den Pranger zu stellen. Denn nur, wenn Gott dem Leid diametral gegenübersteht, kann man ihn fragen, warum er es zulässt. Ist er aber mittendrin und leidet als Vater, Freund und Bruder an unserer Seite, macht die Frage eigentlich keinen Sinn mehr, bzw. dann kann man höchstens nur noch so fragen: Gott, wenn du allmächtig bist, warum ziehst du es vor, statt das Leid einfach aus der Welt zu schaffen, mit uns zu leiden?

    Die Antworten darauf sind vielfältig, ich versuch es mal so: Ein Mann bringt jemanden um oder raubt ihn aus oder egal was. In jedem Fall wird er eingesperrt. Fortan sitzt er in einem dunklen Gefängnis, wird von den Wärtern geschlagen und bekommt aufgrund von Nässe und Kälte die schlimmsten Krankheiten. Weil sein Vater kein geringerer als der König des Landes ist, hat der Mann große Hoffnung, schnellstmöglich entlassen zu werden. Doch das passiert nicht. Stattdessen wird irgendwann die Gefängnistür aufgerissen und man schmeißt einen weiteren Sträfling hinein. Erst auf den zweiten Blick erkennt der Mann, dass es sein Vater ist. Anstatt seinen Sohn abseits von Recht und Gesetz zu begnadigen, hat er sich dafür entschieden, ihm in seiner größten Not beizustehen.

    Die Frage ist nun, was Vater und Sohn wirklich zusammenschweißt? Der Umstand, dass der Vater König ist und als solcher eine Amnestie unterschreiben könnte? Oder der Umstand, dass er von seinem Thron herabsteigt und selbst zum Sträfling wird, um so seinem Sohn in Dreck und Dunkelheit nahe zu sein? Die Antwort auf das Leid ist immer die Liebe. Die Antwort Gottes auf den Menschen ist immer das Kreuz.

  • Warum Bodybuilder Jesus besser verstehen

    Der Frühling ist da. T-Shirt Wetter! Damit das T aber auch gut zur Geltung kommt, hab ich mal wieder die Hanteln bewegt. Ich bin also gerade kräftig am Pumpen, da fällt mir ein, dass das doch irgendwie komisch ist. Denn man könnte ja auch denken, dass die Muskeln schwächer werden, je stärker man sie beansprucht. Aber von wegen, das Gegenteil ist der Fall: Je mehr Muskelkraft ich verliere, desto mehr Muskelmasse baue ich auf. Je mehr Kraft ich hingegen für mich behalte, desto mehr Pudding hab ich in den Armen, bis das mit dem T-Shirt irgendwann komisch aussieht.

    Wie aber mit den Muskeln, so auch mit dem Gehirn. Nutze ich es, nimmt die Gehirnleistung zu. Will ich es dagegen lieber schonen, gehen im Oberstübchen irgendwann alle Lampen aus.

    Wie aber mit dem Gehirn, so auch mit Geld. Jeder, der schon mal gespendet hat, kann das wahrscheinlich bestätigen. Je mehr ich bereit bin zu geben, desto mehr bekomme ich zurück. Nicht vielleicht in jedem Fall Geld. Aber immer an Lebensqualität. Bin ich dagegen geizig und will jeden Cent für mich behalten, werde ich zwar möglicherweise ein dickes Konto haben, aber dennoch arm und verbittert sterben.

    Wie aber mit dem Geld, so auch mit der Liebe. Bin ich bereit, Liebe in andere zu investieren, sind andere umso mehr dazu bereit, Liebe in mich zu investieren. Hab ich dagegen nur für mich selbst Liebe übrig, werde ich irgendwann nicht mal mehr mich selbst lieben können. (Dieser Satz macht durchaus Sinn, man muss ihn vielleicht nur zweimal lesen).

    Wie aber mit der Liebe, mit dem Geld, mit dem Gehirn oder den Muskeln, so auch mit ganz vielen anderen Dingen im Leben. Ja, sogar mit dem Leben selbst. Und deswegen ist es auch kein Wunder, dass Jesus als Lebensprinzip ausgibt, dass derjenige, der sein Leben erhalten will, es verlieren wird, wogegen derjenige, der es um seinetwillen verliert, es gewinnen wird.

    Warum um seinetwillen, sollte auch klar sein. So klar wie ich heute reich wäre, wenn ich vor Jahren mein ganzes Geld in Apple Aktien investiert hätte. Nur halt geht’s bei Jesus nicht um Geld, sondern um Leben. Aber das Prinzip ist das Gleiche: Je mehr ich ihm von meinem Leben abgebe, desto mehr gibt er mir von seinem Leben ab. Bedenkt man dabei, dass ich nur irdisches Leben zu geben habe, während er mit ewigem Leben aufwartet, ist das ein ziemlich guter Tausch, würde ich meinen.

    Das Problem von alledem ist nur: Uns, gerade hier im Westen, fällt das Geben extrem schwer. Und wie kann es auch anders sein, wenn wir von der ganzen Marketingmaschinerie täglich darauf gepolt werden, dass Nehmen seliger ist als Geben. Und so nehmen wir uns dies und nehmen uns auch das und merken dabei gar nicht, dass wir in dem Wahn, alles haben zu müssen, immer mehr an Sein verlieren.

  • Warum ist Jesus gestorben? - eine Teilantwort

    Sündenvergebung lief im Alten Testament so ab, dass der Sünder (bzw. der Hohepriester stellvertretend für das ganze Volk) seine Hände auf den Kopf eines Kleinviehs legte, wodurch die Sünde vom Sünder auf das Tier überging, welches daraufhin getötet wurde.

    In Jesaja 53 heißt es, dass Jesus (der Gottesknecht) unsere Krankheit trug und unsere Schmerzen auf sich nahm.

    In 2. Petrus 2 heißt es, dass Jesus unsere Sünde ans Kreuz getragen hat.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass es neben den vielen gängigen Interpretationen des Kreuzes auch eine metaphysische Bedeutung gibt, die vielleicht nicht ganz so bekannt ist.

    Als sich Damian de Veuster 1873 dazu entschloss, als Arzt und Seelsorger in einer isolierten Leprakranken-Kolonie zu arbeiten, war ihm klar, auch die Krankheit der Leprakranken auf sich nehmen zu müssen. 1885 hat er sich angesteckt. 1889 ist er gestorben. Er tat es aus Liebe.

    Was Jesus von Damian des Veuster unterscheidet, ist der Umstand, dass er an unserer Krankheit nicht nur teilhat, sondern sie vollständig auf sich nimmt. Es ist ein Tausch, Krankheit gegen Gesundheit. Sünde gegen Heiligkeit. Gebundenheit gegen Freiheit.

    Nur, warum nimmt er unsere Sünde auf sich?

    Petrus sagt, um sie ans Kreuz zu bringen. Um also mit ihr zu sterben. Wenn er stirbt, dann stirbt die Sünde auch. Jesus öffnet eine Tür ins Totenreich. Er geht selbst hindurch und nimmt die Sünde wie ein Gepäckstück mit, um sie so aus dem Dasein zu verbannen. Da er der Sohn Gottes ist, kann ihn jedoch der Tod nicht halten. Er kommt wieder zurück. Aber die Sünde bleibt für immer im Tod, ohne uns weiter zu belästigen.

    Wenn das stimmt, warum sind wir und ist die ganze Welt dann immer noch voller Krankheit und Sünde?

    So wie der Sünder im alten Testament gezwungen war, seine Sünde auf das Tier zu übertragen, so können auch wir unsere Sünde nur loswerden, wenn wir sie auf Jesus übertragen. Beten wir also um Sündenvergebung, dann ist es so, als ob wir in Zeit und Raum 2000 Jahre zurückgehen, am Kreuz stehen und dort eigenhändig unsere Schuld ans Kreuz nageln. So gesehen ist das Kreuz wie ein schwarzes Loch, das Jesus vor 2000 Jahren einmal geöffnet hat und das immer noch da ist, um alles, was den Menschen krank macht, aufzusaugen und in den Tod zu katapultieren. Allerdings, so stark die Anziehungskraft des schwarzen Loches auch sein mag, sie ist nicht stark genug, um einem Menschen das, woran er sich klammert, mit Gewalt zu entreißen.

  • Wie Gott mit uns redet

    Um nahtlos an den letzten Beitrag anzuschließen und auch gleich auf den Punkt zu kommen, möchte ich festhalten, dass Gott, da er der Schöpfer ist, kein Teil der Schöpfung sein kann und daher außerhalb von Raum und Zeit in einer anderen Dimension existiert. Allerdings ist nicht nur Gott übernatürlich - wir sind es insofern auch, als dass wir als „beseelte Wesen“ einen Geist haben, der sich dem Supranaturalismus zufolge nicht aus den natürlichen Dingen erklären lässt und daher seinen Ursprung im Übernatürlichen haben muss. Wenn Gott nun als übernatürliches Geistwesen (klingt esoterisch, ist aber total biblisch) einen Menschen berührt oder zu einem Menschen spricht, dann tut er das, indem er den Geist eines Menschen berührt, bzw. zu seinem Geist spricht. Obwohl dieser Mensch weder akustisch noch mit irgendeinem anderen (natürlichen) Sinn davon etwas mitbekommt, spürt er dennoch, dass es Gott ist, der gerade "Kontakt aufnimmt".

    Vielleicht ist das vergleichbar mit einem träumenden Kind, an dessen Bettkante der Vater sitzt und mit ihm redet oder seine Hand greift. Obwohl das Kind bewusst nichts davon mitbekommt, können die Worte oder die Berührung dennoch in die Dimension seines Traums durchdringen und dort Wirkung zeigen. D.h. möglicherweise denkt die Person im Traum nun genau das, was der Vater gesagt hat oder die Berührung sorgt dafür, dass sich die ganze Traumatmosphäre ins Positive wandelt. Insofern ist es auch verständlich, dass Menschen in Folge einer Gottesbegegnung einen tiefen Frieden verspüren, denn was sie wirklich fühlen, ist die Hand Gottes, die ihren Geist berührt. Und das nicht irgendwie metaphorisch, sondern – aus Gottes Perspektive betrachtet – genauso real wie das Kind für den Vater real ist.

  • Naturalismus vs. Supranaturalismus – eine Randnotiz

    Wen es interessiert, ich hatte gerade diesen Gedanken: Angenommen, es wäre möglich (was natürlich keiner will) mich zu klonen und dieser Klon hätte die gleiche neuronale Struktur und außerdem eine zu 100% identische Erinnerung – dann müsste, sofern das ICH tatsächlich lediglich ein Produkt genetischer und sozialer Faktoren ist, mein Klon dasselbe ICH haben wie ich. Wenn ich dann aber meinen Klon beobachten würde, dann würde ich mich gleichzeitig selbst beobachten, was aber schon deswegen nicht geht, weil ich es ja bereits bin, der beobachtet. Insofern muss das ICH, welches mein Klon als sein ICH wahrnimmt, ein anderes ICH sein als das, welches ich als mein ICH wahrnehme. Wenn sich mein ICH aber von dem meines Klons unterscheidet, obwohl wir die Gleichen sind, dann muss das ICH mehr sein als ein bestimmtes, durch Anlage und Umwelt hervorgerufenes neuronales Muster. Wenn es aber mehr ist und somit die Grenzen des Natürlichen sprengt, dann ist es, wenigstens teilweise, übernatürlich. Wenn es aber übernatürlich ist, dann muss es auch eine übernatürliche Welt geben, die das Vorhandensein eines ICHs begründet.

  • Jesus C. – der Arzt, dem die Menschen vertrauen(?)

    Jesus sagt von sich selbst, dass er Arzt ist, also so gesehen ein buchstäblicher Gott in weiß. Zwei typische Arten, darauf zu reagieren, habe ich anhand der zwei folgenden Szenen zu skizzieren versucht.

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    Szene 1: Mann beim Arzt

    Mann:
    Herr Doktor, ich bin krank!

    Doktor (freundlich):
    Na, dann erzählen Sie mal.

    Mann:
    Das kann ich nicht.

    Doktor:
    Warum?

    Mann:
    Ist mit peinlich.

    Doktor:
    Na schön, dann will ich Sie erst einmal untersuchen. Machen Sie sich bitte frei.

    Mann:
    Das kann ich nicht.

    Doktor:
    Warum das denn wieder nicht?

    Mann:
    Machen Sie Witze? Wenn es mir bereits peinlich ist, Ihnen davon zu erzählen, werd ich es Ihnen auf keinen Fall zeigen!

    Doktor:
    Aber warum ist Ihnen das peinlich?

    Mann:
    Hätten Sie das, was ich hab, wär Ihnen das auch peinlich. Aber Sie haben es nicht. Sie sind gesund. Und das macht es für mich nur noch schlimmer!

    Doktor:
    Aber ich bin Arzt, ich kann Ihnen helfen!

    Mann (weinerlich):
    Ja, Sie sind Arzt. Sie haben studiert. Ihr ganzes Leben geopfert, nur um Leuten wie mir zu helfen. Verstehen Sie? So Leuten wie mir! Ich bin doch selbst an allem schuld. Scheiß Alkohol! Scheiß Zigaretten! Scheiß ungesunder Lebensstil! Aber das ist nun vorbei. Von heute an leb ich gesund! Wenn Sie es sagen, trink ich nie wieder Bier und nie wieder Kaffee!

    Doktor:
    Das sag ich aber gar nicht.

    Mann:
    Und ich mach Diät, von heute an keine Wurst mehr aufs Brot!

    Doktor:
    Das müssen Sie nicht.

    Mann:
    Und ich geh joggen, jeden morgen eine halbe Stunde!

    Doktor:
    Das brauchen Sie nicht.

    Mann (ratlos):
    Aber was kann ich dann tun?

    Doktor:
    Sie könnten sich zum Beispiel frei machen, damit ich Sie untersuchen kann.

    Mann (traurig):
    Ach das...nein, tut mir leid, das kann ich nicht....

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    Szene 2: Mann beim Arzt

    Doktor:
    Schön, dass Sie kommen konnten, es geht um Ihre Untersuchungsergebnisse.

    Mann:
    Die Routineuntersuchung? Lassen Sie mich raten, ich bin kerngesund?

    Doktor:
    Nein, leider nicht.

    Mann:
    Was soll das heißen, leider nicht? Ich fühl mich prima, sehen Sie nur! (Der Mann fängt an, Kniebeugen zu machen).

    Doktor:
    Nun hören Sie doch auf damit!

    Mann (während er sich wieder hinsetzt):
    Aber ich bin topfit!

    Doktor:
    Das mag sein, und dennoch gibt es etwas, worüber wir reden müssen.

    Mann:
    Reden? Worüber? Ich war immer gesund. Wenn wer gesund ist, dann ich!

    Doktor (energisch):
    Nun lassen Sie mich doch erst einmal zu Wort kommen!

    Mann:
    Sie werden auf einmal so ernst. Das heißt, ich bin wirklich krank. Sterbenskrank! Nun sagen Sie doch, Mann!

    Doktor:
    Ich bin ja dabei...

    Mann (jammernd):
    Ich will noch nicht sterben!

    Doktor:
    Das hat ja auch keiner gesagt, aber...

    Mann:
    Aber? Was heißt hier Aber? Sie machen mir Angst!

    Doktor: So beruhigen Sie sich doch!

    Mann (aufgebracht):
    Mich beruhigen? Sie haben leicht reden. Sie sind gesund. Und überhaupt, für mich ist das hier nicht einfach, da könnten Sie ruhig ein bisschen sensibler sein!

    Doktor: Aber ich will doch nur...

    Mann:
    Was wollen Sie nur? Ich kann Ihnen sagen, was Sie wollen. Sie wollen mir einreden, dass ich krank bin! Aber was ist, wenn Sie sich irren? So jung, wie Sie noch sind, kann das leicht passieren. Sind Sie überhaupt schon ein richtiger Arzt?

    Doktor:
    Ich kann Ihnen versichern, dass...

    Mann:
    Stopp mal, bevor wir hier weitermachen, will ich Ihre Approbation sehen!

    Doktor:
    Das geht nun wirklich zu weit.

    Mann:
    Ich wusste es, Sie haben keine. (Steht auf). Unter diesen Umständen werd ich einen anderen Arzt aufsuchen, der auch wirklich was von seinem Handwerk versteht und mir nicht auf Gutdünken irgendwelche Krankheiten unterjubelt. Guten Tag! (Verlässt die Praxis und schlägt dabei kräftig die Tür zu).

  • Hinhören und einfach mal Fresse halten!

    Es passiert regelmäßig und irgendwann muss man sich halt auch mal Luft machen. Also los, frei von der Leber weg: Ich hasse es, wenn Leute nicht zuhören können! Wobei, nicht zuhören geht noch, da weiß man wenigstens, wo man dran ist. Aber wenn Leute das, was ich sage, missbrauchen, um das loszuwerden, was sie sagen wollen, wobei mich das, was sie meinen, zu sagen zu haben, so gar nicht interessiert, dann geht mir das schon gewaltig auf die Dinger, von denen in einem „christlichen Blog“ eigentlich keine Rede sein sollte.

    Fang ich also ein Gespräch an mit „Gestern ist mir was ganz Verrücktes passiert!“ und will nun mit einer wirklich interessanten Geschichte fortfahren, dann nutzen diese böse Menschen die kleinste Atempause, um an meinen eigentlich sehr vielversprechenden Gesprächseinstieg eine meist total belanglose Banalität anzuhängen, so von wegen, „Ach gestern, ja, da gings bei mir auch drunter und drüber. Erst einkaufen. Und dann war bei Jibi der Thunfisch aus. Wo wir doch Thunfischpizza machen wollten. Und dann musste ich durch die halbe Stadt. Totales Verkehrschaos. Aber die Pizza war lecker!“ Bla Bla Bla. Nach 5 Sekunden hör ich schon meistens nicht mehr hin und nicke nur noch höflich. Wobei mir genau das dann auch noch zum Verhängnis wird, weil ich damit, wohl erzogen wie ich bin, permanent Signale aussende, man möge mich doch bitte weiter langweilen.

    Der Gipfel der Unverfrorenheit ist es allerdings, wenn sich mein Gesprächspartner noch nicht einmal mehr die Mühe gibt, nach einem Anknüpfungspunkt zu suchen, sondern schamlos einfach das raushaut, was er nun meint, mir unbedingt erzählen zu müssen. Damit das, was er sagt, in diesem Fall aber nicht gänzlich in der Luft schwebt, ist er meistens noch so schlau, seinen Satz mit „Apropos“ zu beginnen. Hat er diesen Joker aber erst einmal gezogen, ist das wie ein Freifahrtschein, das Gespräch mit egal was fortsetzen zu dürfen, wobei sich das „egal was“ in der Regel natürlich auf seine langweiligen Alltagsgeschichten beschränkt.

    Ich fang also wieder vielversprechend an mit „Gestern ist mir was ganz Verrücktes passiert!“ Und er ergänzt: „Apropos. Heute muss ich noch zum Frisör, dann die Wäsche aufhängen und dann wollt ich auch mal wieder früh ins Bett.“ Und auch hier werde ich wieder Opfer meiner guten Erziehung, denn statt auf dem Absatz Kehrt zu machen, frag ich meistens noch blöd nach, so von wegen: „Ach zum Frisör. Wo gehst du denn da hin?“ Und schon ist mein Thema auf immer verloren und wir reden über Dinge, über die es sich in Anbetracht einer kurzen Lebensspanne von durchschnittlich 80 Jahren eigentlich nicht zu reden lohnt.

    Warum erwähne ich das alles in einem „christlichen Blog“ und wie krieg ich jetzt die Kurve? Nun ganz einfach: Hätte Jesus angefangen mit „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ und seine Jungs hätten geantwortet: „Apropos, lass uns mal was essen gehen!“, ich befürchte, seine Botschaft wäre gnadenlos untergegangen und nicht die Bibel wäre ein Renner geworden, sondern meinetwegen Petrus` „Rezeptsammlung schmackhafter Fischgerichte“.

  • Neulich bei Wer wird Millionär?

    Eine Tragödie in einem Akt

    Szene: Das Studio ist gut besucht. In der Mitte auf dem Stuhl Günther Jauch. Ihm gegenüber ein Mann jüngeren Alters, der sich selbst Viktor nennt. Dieser hat die ersten Hürden bravourös genommen, dann aber bei der 500€ Frage den 50:50 Joker verdaddelt. Günther Jauch ist gerade dabei, ihm die 1000€ Frage zu stellen.

    Günther Jauch:
    Hui, das ist spannend heute Abend. Ich stelle Ihnen jetzt die 1000€ Frage. Sind Sie bereit?

    Viktor:
    Ich bin bereit.

    Günther Jauch:
    Also los, hier kommt sie: Wie alt ist die Erde? A: 5 Milliarden Jahre. B: 6000 Jahre.
    C: 5 Minuten. Oder D: Die Erde gibt es gar nicht.

    Viktor:
    Puh, das ist schwer. Ich habe eine Tendenz, aber ich würde gerne das Publikum fragen.

    Günther Jauch:
    Das ist ihr gutes Recht. (Er wendet sich ans Publikum). Bitte stimmen Sie ab, wie alt ist die Erde?

    Viktor:
    Aber bitte, nur drücken, wenn Sie es auch wirklich wissen!

    Günther Jauch:
    Und schon haben wir ein Ergebnis! Stolze 90% sagen, die Erde ist 5 Milliarden Jahre alt.

    Viktor verschränkt seine Arme.

    Günther Jauch:
    Sie hatten eine andere Tendenz?

    Viktor:
    Eigentlich schon. Aber 90%, das sind natürlich nicht wenige. Auf der anderen Seite, wenn 90% aller Lemminge eine Klippe runterspringen, ist das trotzdem doof.

    Günther Jauch:
    Sie finden das Publikum doof?

    Viktor:
    Das habe ich so nicht gesagt.

    Günther Jauch:
    Aber sie glauben ihm nicht?

    Viktor:
    Es schadet auf jeden Fall nichts, noch einen Joker zu nehmen. Und zwar soll bitte jetzt nur einer aus dem Publikum aufstehen.

    Günther Jauch:
    Also gut, wer kennt die Antwort, wie alt ist die Erde?

    Mehrere Leute stehen auf, Viktor entscheidet sich für einen älteren Herrn mit Bart und Pullunder.

    Günther Jauch:
    Wie heißen Sie und wie lautet die Antwort?

    Älterer Herr:
    Mein Name ist Hans Herbert Meier und ich gehe davon aus, dass die Antwort C richtig ist.

    Günther Jauch:
    Antwort C lautet, die Welt ist 5 Minuten alt. Wie kommen Sie darauf?

    Älterer Herr:
    Nun, wie wir alle wissen, sind wir im Jubiläumsjahr von Bertrand Russell. Die Antwort C ist daher höchstwahrscheinlich als Hommage an Russell gedacht, dem es logisch nicht unmöglich erschien, dass die Welt erst vor 5 Minuten ins Dasein kam, und zwar genauso, wie sie ist, voll bewohnt von Leuten, deren Erinnerung ihnen eine ältere Vergangenheit vorspielt.

    Günter Jauch (zu Viktor):
    Und, hilft Ihnen das weiter?

    Viktor:
    Doch, das hört sich eigentlich sehr plausibel an. Dennoch würde ich gerne, um sicherzugehen, noch einen dritten Joker nehmen.

    Günther Jauch:
    Und das wäre dann auch schon ihr letzter. Wen rufen Sie an?

    Viktor:
    Professor Hagedorn, der müsste das eigentlich wissen.

    Die Nummer wird gewählt, am anderen Ende der Leitung meldet sich Professor Hagedorn. Günther Jauch begrüßt ihn. Viktor liest ihm die Frage und die vier Antworten vor.

    Professor Hagedorn:
    Das ist nicht sonderlich schwer. Als Vertreter des Solipsismus meine ich, dass die Antwort nur D lauten kann.

    Günther Jauch:
    Ist das ihr Ernst, die Erde soll es gar nicht geben?

    Professor Hagedorn:
    Schlichte Gemüter finden das vielleicht absurd, aber ich gehe stark davon aus, dass ich das einzig existierende Wesen bin und alles andere nur ein Traum ist. Damit sind Sie, lieber Günther Jauch, leider nur Fiktion. Nur real als Teil meines Traums. Das heißt, es gibt weder Sie noch gibt es die Erde, auf der wir zu existieren scheinen. Und daher kann nur Antwort D richtig sein.

    Günther Jauch (zu Viktor):
    Was sagen Sie dazu?

    Viktor:
    Das klingt zwar erst einmal verwirrend, aber der Mann hat sicherlich nicht ganz Unrecht.

    Günther Jauch:
    Das heißt, Sie entscheiden sich für D?

    Viktor:
    Ehrlich gesagt ist eine Antwort so gut wie die andere. Herr Jauch, ich weiß es nicht.

    Günther Jauch:
    Können Sie vielleicht irgendetwas ausschließen?

    Viktor:
    Lassen Sie mich überlegen. Wenn D stimmt, dann denkt Professor Hagedorn zwar, dass es nur ihn gibt. Aber das denkt er nur, weil er es ist, der denkt. Daher kann es aus meiner Sicht logischerweise nur mich geben und Professor Hagedorn ist eine Fiktion. Wenn aber Professor Hagedorn eine Fiktion ist, dann sind auch die 1000€ eine Fiktion. Wenn ich also D nehme, habe ich 1000€ gewonnen, die es aber eigentlich gar nicht gibt. Da ich jedoch hier bin, um Geld zu gewinnen, fliegt Antwort D schon mal raus.

    Günther Jauch:
    Bleiben A, B und C.

    Viktor:
    Antwort C klingt auch verlockend, aber wenn die Welt erst 5 Minuten alt ist, wer sagt mir, dass in den nächsten 5 Minuten nicht eine ganz neue Welt ins Dasein kommt? Oder wir in den nächsten 5 Minuten eine ganz neue Erinnerung haben, in der ich niemals 1000€ gewonnen habe? So gesehen ist Antwort C auch raus, denn was nützen mir 1000€, wenn ich keine Sicherheit habe, sie über die nächsten 5 Minuten hinaus auch ausgeben zu können?

    Günther Jauch:
    Und somit müssen Sie sich nur noch zwischen A und B entscheiden.

    Viktor:
    Jetzt wird’s aber wirklich kniffelig. 5 Milliarden Jahre oder 6000 Jahre? Es gibt ja Menschen mit Gendefekt, die als Kind schon so aussehen wie ein Greis. Vielleicht ist es mit der Welt auch so. Vielleicht wirkt sie nur Milliarden Jahre alt und ist eigentlich blutjung? Auf der anderen Seite, wir sind hier bei RTL.

    Günther Jauch:
    Hier hake ich ein, was meinen Sie damit, wir sind hier bei RTL?

    Viktor:
    Naja, es ist doch so: RTL strahlt aus, was die Mehrheit denkt und umgekehrt denkt die Mehrheit das, was RTL ausstrahlt. Und daher würde ich mich jetzt einfach auch der Mehrheit anschließen und sage, die richtige Antwort lautet A, die Welt ist 5 Milliarden Jahre alt.

    Günther Jauch:
    Wenn das Ihr letztes Wort ist, dann logge ich das jetzt ein.

    Viktor (zaghaft):
    Das ist mein letztes Wort.

    Günther Jauch:
    Also gut, dann will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen. Die richtige Antwort ist, da hatten Sie völlig Recht, weder C noch D. Es tut mir aber leid, Ihnen sagen zu müssen, dass auch A nicht richtig ist. Allerdings ist auch B falsch. Wenn ich das hier auf meinem Bildschirm richtig sehe, sind alle 4 Antworten falsch.

    Viktor (perplex):
    Alle Antworten sind falsch? Wie kann das sein?

    Günther Jauch:
    Tja, das ist wirklich ein Rätsel, aber wenn Sie meine persönliche Meinung hören wollen, dann hat es wohl damit zu tun, dass wir in einem Multiversum leben.

    Viktor:
    Hä?

    Günther Jauch:
    Sie haben Recht, das ist nicht ganz einfach zu verstehen, aber scheinbar ist in diesem Universum gerade der höchst unwahrscheinliche Fall eingetreten, dass alle Antworten falsch sind. Ihr Pech ist sozusagen, dass Sie zur falschen Zeit im falschen Universum sitzen, und damit leer ausgehen.

    Viktor:
    Was gehe ich?

    Günther Jauch:
    Tut mir leid, Sie gehen hier und jetzt leer aus. Wenn Sie das tröstet, kann ich Ihnen aber versichern, dass es da draußen mit Sicherheit auch ein Universum gibt, in welchem Sie die richtige Antwort nennen und damit die 1000€ einstreichen. Ärgern Sie sich also nicht zu sehr, sondern freuen Sie sich stattdessen für Ihr anderes Ich, das womöglich gerade sehr glücklich ist.

    In diesem Moment ertönt der Gong. Die Sendung ist um. Günther Jauch und Viktor schreiten gemeinsam Richtung Studioausgang. Das Publikum bleibt zurück. Einige klatschen. Die meisten wirken irgendwie verstört.

  • Sünde gegen den heiligen Geist – was heißt das?

    Vorab betone ich vielleicht nochmal, dass ich bei allem, was ich schreibe, nie den Anspruch auf Vollständigkeit habe, sondern immer nur Gedankenimpulse geben möchte.

    Sofern das klar ist, nun aber los, ich frage, was kann mit diesem Vers gemeint sein?

    „Darum sage ich euch: Jede Sünde, ja sogar jede Gotteslästerung kann den Menschen vergeben werden; wenn aber jemand den Heiligen Geist lästert, wird ihm nicht vergeben werden. Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, kann vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der kommenden.“

    Ich sehe das so: Wenn Sünde eigentlich Zielverfehlung bedeutet und es unser Ziel ist, Gott zu erkennen, dann geht das natürlich nur, wenn wir zuerst von Gott erkannt werden. Denn wenn der Schöpfer das Geschöpf nicht erkennt, wie sollte jemals das Geschöpf den Schöpfer erkennen?

    Wenn ich von „Erkennen“ rede, dann meine ich das übrigens nicht nur erkenntnistheoretisch, sondern im Sinne einer tiefen Vereinigung, die den Menschen in seinem innersten Kern berührt und daher noch weit über den Wortsinn von „Adam erkennt Eva und sie bekommt ein Kind“ hinausgeht.

    Aber das nur am Rande, worum es mir geht: Da Erkennen immer Begegnung voraussetzt, muss es Gott irgendwie schaffen, uns zu begegnen, denn nur, wenn er uns begegnet, können auch wir ihm begegnen. Das ist aber ein gar nicht so einfaches Unterfangen, denn Gott steht vor der schwierigen Frage, wie es überhaupt möglich sein soll, dass das Ewige und das Endliche aufeinandertreffen. Die Antwort lautet natürlich ganz christologisch: Nur, indem das Ewige endlich wird und sich Gott damit auf eine Stufe mit den Menschen begibt.

    Aus diesem Blickwinkel kann man das Alte Testament in der Weise zusammenfassen, dass es darum geht, dass Jahwe-Gott Strukturen schafft, innerhalb derer Gott Mensch werden kann.

    Was aber den menschgewordenen Gott, also Jesus, von anderen Menschen unterscheidet, ist unter anderem, dass er den anderen nicht nur „vorn Kopp“ guckt, sondern tief in ihre Seele hineinblicken kann, so dass es von seiner Seite aus möglich ist, den Menschen zu erkennen, so wie er im Grunde seines Herzens wirklich ist. Das Problem ist nur, dass der Mensch Jesus weiterhin nur „vorn Kopp“ guckt, bzw. nur sukzessiv und rudimentär versteht, wer Jesus eigentlich ist.

    Damit er auch in der Tiefe versteht, wer Jesus ist, muss noch etwas passieren. Gott muss nicht nur Mensch werden, sondern muss als Geist in den Menschen hineinkommen, um so seinen Blick zu schärfen, damit er anfängt, die Welt so zu sehen, wie Gott sie sieht und damit auch Jesus so zu sehen, wie Gott ihn sieht.

    Aus diesem Blickwinkel kann man wiederum das Neue Testament so zusammenfassen, dass es darum geht, dass Jesus Strukturen schafft, innerhalb derer es dem Geist Gottes möglich ist, in uns einzudringen.

    Der Geist Gottes wohnt nun aber nicht einfach so in uns, sondern er hat einen klaren Auftrag, uns zu zeigen, wer Jesus ist. Und auch Jesus hat nicht einfach so unter uns gewohnt, sondern er hatte einen klaren Auftrag, uns zu zeigen, wer Gott Vater ist. Wenn wir aber jetzt „gegen den heiligen Geist sündigen“, dann wenden wir uns - der Bedeutung von Sünde nach - von dem Heiligen Geist ab. Wenden wir uns aber von dem Heiligen Geist ab, dann hat er keine Chance mehr, uns zu zeigen, wer Jesus ist. Sehen wir aber auf einmal Jesus nicht mehr, dann hat wiederum dieser keine Chance, uns zu zeigen, wer Gott Vater ist. Sehen wir aber Gott Vater nicht mehr, dann können wir ihm auch nicht begegnen. Wenn wir ihm aber nicht begegnen können, dann hat Gott Vater logischerweise keine Chance, uns zu vergeben.

    Auf der anderen Seite gilt, wenn wir Gott Vater oder Gott Sohn verlästern, bzw. gegen Gott Vater oder Gott Sohn sündigen, dann ist da immer noch der heilige Geist in uns, der uns korrigiert und die Möglichkeit hat, unseren vernebelten Blick wieder klar zu machen.

  • Der gekreuzigte Gott - warum ein liebender Gott leiden muss

    In meinem letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass das Hauptmerkmal des Bösen ein Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen) ist. Ich ergänze, dass dies auch auf Gefühle wie Hass und Zorn zutrifft, die ja eigentlich nichts anderes sind als eine Ausdrucksweise des Bösen. D.h. hasse ich eine andere Person oder bin ich zornig auf sie, dann bin ich in diesem Moment deswegen zur Empathie unfähig, weil ich mich ihrer Gefühle vollständig verschließe und einzig meine eigenen hasserfüllten Gefühle auf sie projiziere.

    Wenn das stimmt, und sich sowohl das Böse als auch Hass und Zorn als Ausdrucksweisen des Bösen durch einen Mangel an Empathie auszeichnen, dann muss umgekehrt das wesentliche Merkmal des Guten und der Liebe als Ausdrucksweise des Guten ein tiefes und überfließendes Mitgefühl sein. D.h. liebe ich eine andere Person, dann öffne ich mich ihrer Gefühle und mache diese zu meinen eigenen.

    Wenn Gott nun das Gute und die Liebe in Person ist und wir das Objekt seiner Liebe sind, dann kann es gar nicht anders sein, als dass er mit uns mitfühlt, so wie es sonst kein Mensch zu tun vermag. D.h. freuen wir uns, freut er sich noch viel mehr. Leiden wir hingegen, geht sein Mitleid noch viel tiefer. Und nicht nur das, denn ebenso wie es der sehnlichste Wunsch eines Vaters ist, mit seinem leidenden Kind nur irgendwie tauschen zu können, so muss es auch der innigste Wunsch eines liebenden Gottes sein, das Leid seiner Menschenkinder nicht nur mitzutragen, sondern selbst auf sich zu nehmen.

    Das klingt nun in der Theorie alles schön und gut, aber woher kann man eigentlich wissen, dass das stimmt und Gott wirklich so ist? Leute sagen, das Kreuz ist der letztgültige Beweis dafür, dass ein Gott, der so etwas zulässt, ein schrecklicher Gott ist. Ich aber sage, das Kreuz ist der letztgültige Beweis für Gottes Liebe. Denn wenn uns Gott wirklich liebt und Liebe immer mit dem Geliebten mitleidet, dann muss Gott an dem Ort leibhaftig präsent sein, wo das Leid am größten ist. Wenn nun eine Kreuzigung das Schlimmste ist, was Menschen anderen Menschen antun können, dann ist das Kreuz genau der Platz, den ein liebender Gott einnehmen muss, um dort, in den tiefsten Tiefen des Lebens und des Todes für den Menschen einzustehen und sein Leid zu (er)tragen.

    Dabei, und das macht die Sache noch viel trauriger, leidet Gott aber nicht nur das Leid des Leidenden, sondern er leidet ebenso das mindestens genauso schlimme Leid des Mitleidenden. Denn es ist Gott, der Sohn, der am Kreuz leidet, und es ist Gott, der Vater, der das Leid seines geliebten Sohnes irgendwie ertragen und durchstehen muss.

    Indem Gott aber nun das Leid des Menschen auf sich nimmt, leidet er nicht nur in Solidarität mit den Opfern, die fortan in Gott einen Bruder an ihrer Seite haben, der sie in ihrem Leid versteht, weil er es selbst durchlebt hat, sondern er leidet auch mit den Tätern. D.h. obwohl Jesus am Kreuz eigentlich genug mit sich selbst zu tun hätte, schwelgt er nicht in Selbstmitleid, sondern sein Mitleid gilt den Mitgekreuzigten („Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein!“) und sogar denjenigen, die ihn ans Kreuz geschlagen haben. „Vater vergib ihnen!“ betet er und holt damit zu einem vernichtenden Schlag gegen das Böse aus, denn wo Feuer ist, muss Eis schmelzen, und wo Liebe ist, da muss das Böse weichen.

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