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  • Bruce Willis und das Fünfte Element – oder: Muss man den Heiligen Geist beschützen?

    Etwas Schlechtes zu tun ist nichts Gutes. Warum nicht? Weil man mit jedem schlechten Gedanken, jedem schlechten Wort und jeder schlechten Tat sowohl sich selbst als auch anderen schadet. Soweit, so banal. Doch möglicherweise gibt es daneben noch einen weiteren Grund, den man nur selten auf dem Schirm hat. Denn wenn der Heilige Geist wirklich in uns wohnt (zu Christen gesprochen), dann ist es mit ihm möglicherweise so wie mit dem Fünften Element aus dem gleichnamigen Film. LeeLoo heißt sie und ist dem Heiligen Geist in der Beziehung ähnlich, dass sie von dem Bösen nichts weiß und auch noch nie in ihrem Leben irgendetwas Böses gesehen hat. Weil sie deswegen so unglaublich rein, schön und liebenswert ist, macht es sich Bruce Willis zur Aufgabe, sie zu beschützen.

    Natürlich geht es in erster Linie darum, dass LeeLoo ihn beschützt, aber trotzdem kann es Bruce Willis kaum ertragen, dass solch ein heiliges, schönes und reines Wesen mit dem Bösen überhaupt in Berührung kommt. Fast kann man denken, es ist ihm sogar peinlich, dass LeeLoo mitkriegt, wie es um ihn und die menschliche Rasse im Allgemeinen bestellt ist. Und so ist wohl auch einer der traurigsten Momente im Film, als LeeLoo am Computer im Zeitraffer alles über die menschliche Geschichte lernt und entsetzt darüber ist, was sie dort mit ansehen muss.

    Nun ist der Heilige Geist natürlich souverän, so dass das Böse ihm nichts anhaben kann. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch er über all das Schlechte, was er ansehen und miterleben muss, extrem traurig ist (z.B. Epheser 4,30). Nicht nur deshalb, weil er von dem Bösen nichts weiß und es ihm daher doppelt und dreifach schlimm vorkommen muss, sondern auch, eben weil er nicht böse, sondern vollkommen gut ist und daher auch vielmehr Mitleid und Empathie für all das empfinden kann, was das Böse anrichtet.

    Wenn es also nun darum geht, sich in alledem, was man denkt, sagt und tut vom Schlechten und Bösen fernzuhalten, dann nicht nur deswegen, weil es das Beste für einen selbst und seine Mitmenschen ist, auch nicht nur deswegen, weil man Gott fürchtet, sondern vor allem deswegen, weil man den Heiligen Geist um seiner Schönheit, Reinheit und Güte willen viel zu sehr liebt, als dass man ihn in den Schmutz dieser Welt mit hineinziehen will.

  • Stolz – soll man Kinder bei guten Noten loben?

    Der letzte Artikel „Ist der Mensch gut oder böse“ ist übrigens gar nicht so trocken-theoretisch, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte, denn bei Lichte betrachtet ergeben sich daraus ein paar sehr interessante Implikationen. So wäre da z.B. die Frage, ob es richtig ist, sein Kind bei guten schulischen Leistungen zu loben oder ob das kontraproduktiv ist, weil man damit in dem Kind nur falschen Stolz weckt. Wir erinnern uns, ich hatte falschen Stolz so definiert, dass man sich mit anderen vergleicht und denkt, man sei besser, toller und geiler als der Andere. Richtigen Stolz hatte ich dagegen so definiert, dass man ein gutes Gefühl dabei hat, sich im Einklang mit dem zu befinden, was C.S. Lewis in Anlehnung an die fernöstliche Weisheitslehre das TAO nennt. Also die von Gott (Atheisten ersetzen an dieser Stelle Gott durch Natur, Agnostiker denken sich einen imaginären Querstrich und fügen „Natur“ hinzu) gegebene Ordnung, in der wir leben. Und zu dieser Ordnung gehört es eben auch, dass Gott (Atheisten und Agnostiker, ihr wisst, was ihr zu tun habt) uns mit bestimmten Fähigkeiten und Eigenschaften ausgestattet hat, die es auszubilden und (für sich und Andere) einzusetzen gilt.

    Wenn daher nun ein sprachbegabtes Kind eine Eins in Deutsch mit nach Hause bringt und man lobt es dafür, dann besteht sowohl die Möglichkeit, dass das Kind richtigen Stolz entwickelt, als auch die Gefahr, dass falscher Stolz kultiviert wird. Richtiger Stolz wäre in diesem Sinne, dass das Kind seine guten Eigenschaften und Fähigkeiten entdeckt, die Gott hineingelegt hat, und sich gut dabei fühlt, sie auszuprobieren und erfolgreich damit zu sein. Dagegen wäre falscher Stolz, dass das Kind nicht nur von sich denkt, es sei schlau, sondern von den anderen Kindern denkt, sie seien vergleichsweise dumm. Oder etwas genereller formuliert: Aus dem „Ich bin schlau“ kann ganz schnell ein „Ich bin schlauer“ werden. Daraus ein „Ich bin besser“. Daraus wiederum ein „Ich bin wertvoller“. Und daraus letztlich ein „Ich stehe über dir“.

    Was also tun, wenn man nicht will, dass sein Kind falschen Stolz ausbildet? Es loben oder nicht loben? Meine Antwort ist wenig überraschend und lässt einige Pädagogen an dieser Stelle sehr wahrscheinlich aufatmen. Natürlich loben, da es viel wichtiger und bedeutender ist, dass das Kind richtigen Stolz entwickelt und dabei lernt, im Einklang mit dem zu leben, was Gott geschaffen hat, als dass das Kind zwar daran gehindert wird, falschen Stolz zu entwickeln, aber dafür auch der Möglichkeit beraubt wird, richtigen Stolz auszubilden. Denn hat es erst einmal begriffen, was richtiger Stolz ist und weiß daher auch, dass jede gute Eigenschaft sowieso nur ein Geschenk Gottes ist, um Gott und den Menschen zu dienen, dann wird es zwangsläufig demütig und der falsche Stolz verliert sich.

  • Ist der Mensch gut oder böse?

    Auch wenn ich weder Lust noch Zeit habe, die Frage an dieser Stelle abschließend zu erörtern, glaube ich dennoch, dazu wenigstens das Folgende sagen zu können: Selbst wenn ein Mensch offensichtlich „gut“ handelt, kann man nie wissen, ob es auch wirklich gut gemeint ist. Wenn ein Mensch dagegen offensichtlich „böse“ handelt, kann man sich ziemlich sicher sein, dass auch seine Absichten böse sind.

    Dazu folgendes Gedankenspiel.

    Eine alte gebrechliche Oma muss über eine befahrene Straße, wird es aber alleine kaum schaffen. Bei einem Passanten, der die Situation erkennt und der Oma beherzt über die Straße hilft, scheint es relativ eindeutig zu sein, dass dieser dabei die edelsten Absichten hat. Und dennoch ist es denkbar, dass er nicht nur aus Fürsorge und Nächstenliebe handelt, sondern sein zweifellos richtiges Verhalten auch von falschem Stolz und Eigenliebe angetrieben wird. Möglicherweise ist er sich selbst dessen gar nicht bewusst, aber wer will schon ausschließen, dass es sich insgeheim nicht darüber freut, dass die anderen Passanten gucken und ihn irgendwie auch bewundern. Wenn ich ihm dabei falschen Stolz unterstelle, dann meine ich damit, dass er sich mit den anderen vergleicht und sich über diese erhebt, indem er ein wohliges Gefühl dabei hat, besser zu sein als alle anderen, die nicht geholfen haben. Auch wenn ich mit dem Begriff vorsichtig sein will, aber „richtiger Stolz“ wäre im Gegensatz dazu, dass er sich dessen bewusst ist, menschlich gehandelt zu haben und sich deswegen gut fühlt. Dabei will ich natürlich nicht in Abrede stellen, dass er auch diese Art von Stolz empfindet. Nur halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass sich in seine Gefühle sowohl falscher als auch richtiger Stolz mischt – und damit seine Absichten sowohl gut als auch böse sind.

    Angenommen, die alte gebrechliche Oma hat nun ihre Einkäufe erledigt und muss wieder die Straße überqueren, wobei auch in diesem Fall ein Passant die Situation erkennt, aber nicht eingreift, dann glaube ich, dass man, wenn man alle Eventualitäten ausgeschlossen hat, davon ausgehen kann, dass seine Absichten ausschließlich böse sind. Mit Eventualitäten meine ich dabei, dass sein Motiv, der Oma zu helfen, möglicherweise in Konflikt zu anderen Motiven steht, z.B. dass er einen Termin hat und daher selbst in Zeitnot ist. Wenn man solche Eventualitäten ausschließen kann, dann bleibt eigentlich nur, dass er der Oma entweder aus Böswilligkeit oder aus Ignoranz oder aus Angst nicht hilft. Hinter Böswilligkeit würden natürlich eindeutig böse Absichten stecken, wobei ich zugeben muss, dass es wohl äußerst selten vorkommt, dass sich ein Mensch an der Hilflosigkeit einer alten Oma ergötzt und deshalb nicht eingreift. Hinter Ignoranz verbergen sich allerdings ebenso böse Absichten, da der Passant zugunsten seiner eigenen Bequemlichkeit darauf verzichtet, Nächstenliebe zu üben. Statt altruistischer Motive, der alten Oma um ihrer selbst willen zu helfen, hegt er also egoistische Motive, sich selbst genug zu sein. Bleibt die Angst, die einen Menschen in dem Sinne davon abhalten kann, der Oma zu helfen, als dass er entweder Angst davor hat, mit ihr in Kontakt zu treten oder Angst davor hat, durch das was er tut, auf einmal im Mittelpunkt zu stehen. Da hinter beiden Ängsten wiederum falscher Stolz steckt, sind auch in diesem Fall die Absichten böse. Denn wovor der Passant eigentlich Angst hat, ist, dass er sich unter Beobachtung in irgendeiner Weise falsch oder dumm verhält und daher die anderen Passanten abfällig über ihn denken. Seine Sorge ist also scheinbar, durch irgendeine Art von Fehlverhalten (Stottern, Stolpern, Uncool wirken) von den anderen Passanten abgewertet zu werden. Weil er damit aber eigentlich nur beweist, dass es ihm wichtig ist, vor anderen Menschen etwas zu gelten, ist die Wurzel seiner Angst nichts anderes als falscher Stolz. Und selbst in dem Fall, dass der Passant keine soziale Angst hat, sondern Angst, überfahren zu werden, verbirgt sich auch dahinter falscher Stolz, da er sich selbst so hochschätzt, bzw. die alte Oma so geringschätzt, dass er nicht bereit ist, für sie ein noch so kleines Risiko einzugehen.

    Zusammenfassend kann man also im besten Fall über den Menschen sagen, dass er in dem, was er Gutes tut, gut ist und in dem, was er Böses tut, böse ist, und im schlechtesten Fall, dass er sowohl in dem, was er Gutes tut, als auch in dem, was er Böses tut, böse ist. (Immer vorausgesetzt, die gute Tat ist auch wirklich gut und die böse Tat ist auch wirklich böse, was z.B. im Fall von „Hitler umbringen“ oder „Hitler vor dem Ertrinken retten“ gar nicht so einfach zu beurteilen ist).

    Um das Ganze abschließend nochmal auf eine geistliche Ebene zu bringen, ich glaube, C.S. Lewis hat schon Recht, dass der Mensch auf gar keinen Fall durch und durch böse sein kann. Denn wenn der Mensch noch nicht einmal einen Funken Gutes in sich tragen würde, dann wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, ihn von etwas Gutem überzeugen zu wollen. Damit wäre der Mensch aber auch für Gott ein hoffnungsloser Fall, denn nichts von alledem, was Gott ist und dem Menschen Gutes tun will, würde den Menschen dazu bewegen, sich Gott hinzuwenden.

  • Hat Gott Israel bestraft? – Hat Gott Jesus bestraft? – Und was hat das mit Tom und Jerry zu tun?

    Es ist im alten Testament immer das gleiche Spiel. Gott nimmt sich Israel an. Israel wendet sich von Gott ab. Gott „bestraft“ Israel, indem er zulässt, dass Israel von seinen Feinden überrannt wird.

    Warum ist das so?

    Zunächst ist (denke ich) wichtig zu verstehen, dass das, was Israel widerfährt, keine Strafe im eigentlichen Sinne ist, sondern eher so etwas wie eine natürliche Konsequenz. Eine Strafe ist nach meinem Dafürhalten eine künstliche Maßnahme für eine begonnene Straftat. Dies wäre der Fall, wenn jemand wen anders umbringt und dafür ins Gefängnis kommt. Im Gegensatz dazu ist eine natürliche Konsequenz nichts, was man als Strafe festlegt und durchsetzen muss, sondern sie ergibt sich unmittelbar aus dem Geschehenen. Wenn ich also beim nächsten Bundesligaspieltag den Flitzer machen würde und nackt über den Rasen laufe, dann wäre die natürliche Konsequenz, dass ich mir eventuell eine Erkältung zuziehe (wogegen die Strafe wäre, dass man mir Stadionverbot erteilt).

    Im Fall von Israel haben wir nun den „Tatbestand“, dass Israel sich von Gott abwendet. Die natürliche Konsequenz dessen ist, dass Israel seinen Feinden schutzlos ausgeliefert ist und von diesen bekriegt wird. (Wobei es nicht Gott ist, der seine schützende Hand über Israel wegnimmt, sondern es Israel ist, das aus dem Schutz der Hand heraustritt).

    Um zu verstehen, was ich meine, muss man nur mal an Tom und Jerry denken. Wobei hier nicht nur ein Tom im Spiel ist, sondern mit den Ägyptern, Babyloniern, Persern und wie sie alle heißen, gleich ein Dutzend Toms. Die kleine Maus hat gegen so viele Kater natürlich keine Chance. Und deswegen tut sie gut daran, sich so still und unscheinbar wie möglich zu verhalten, um sich bloß keinen Ärger einzufangen. Doch es gibt nicht nur Tom und Jerry, sondern auch noch die Bulldogge Spike. Die wäre in diesem Fall noch viel größer und stärker als alle Katzen zusammen und hätte es sich zur Aufgabe gemacht, die Maus vor den Katzen in Schutz nehmen. Mit der Bulldogge im Rücken fühlt sich die Maus natürlich unschlagbar und kann den Katzen mutig und entschlossen die Stirn bieten. Wenn die Maus in einem Anflug von Größenwahn aber nun denkt, dass sie selbst stark und mächtig ist und die Bulldogge eigentlich gar nicht nötig hat, dann kommt es natürlich, wie es kommen muss. Sobald sie sich weit genug von der Bulldogge entfernt hat, wittern die Katzen ihre Chance und zerreißen die Maus, ehe sie „Hilfe“ piepsen kann.

    Wurde Jesus von Gott bestraft?

    Wenn „Strafe“ im Fall von Israel nun eine natürliche Konsequenz aus der Abwesenheit Gottes ist, wie ist dann die Strafe zu verstehen, die Jesus erlitten hat?

    Mit den Worten von Tom Wright hat sich Jesus nicht nur als die Verkörperung Jahwes, sondern gleichzeitig auch als der Repräsentant Israels verstanden. In dem Sinne glaubte Jesus, dass das, was er zu erleiden hat, er stellvertretend für das ganze Volk Israel erleidet. Wenn Gott ihn nun stellvertretend für Israel „bestraft“, dann heißt das nicht, dass Gott ihn ans Kreuz hängt (oder durch die Hand der Römer ans Kreuz hängen lässt), sondern dann heißt das, dass Gott den Dingen, die außerhalb seiner Gegenwart passieren, freien Lauf lässt, ohne schützend einzugreifen. In dem Sinne ruft Jesus am Kreuz auch nicht: „Mein Gott, warum hast du mir das angetan?“, sondern „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

    Konsequenz aus Tod und Auferstehung

    Ist Jesus nun aber gestorben, dann bedeutet das gleichzeitig, dass mit seinem Tod auch jede Form von Strafe oder Konsequenz endgültig zum Erliegen kommt. Denn einen Toten kann man weder bestrafen noch kann ihn irgendetwas zustoßen. Für den Fall, dass sich nicht nur Jesus mit Israel identifiziert, sondern umgekehrt auch Israel mit Jesus, bedeutet das für Israel, dass es seinem Status nach tot ist und daher keine weiteren Strafen oder Konsequenzen mehr zu fürchten braucht.

    Wenn das „alte Israel“ auf diese Weise vergeht und das „neue Israel (=alle Juden/Heiden, die sich mit Jesus identifizieren und ihn als ihren Herrn anerkennen)“ mit der Auferstehung von Jesus zum Leben erweckt wird, dann stellt sich die Frage, was an dem „neuen Israel“ so anders ist, als dass sich der ewige Kreislauf von „Gott wendet sich Israel zu“ und „Israel wendet sich von Gott ab“ nicht einfach fortsetzt. Meine Antwort darauf wäre diese: Um sich von jemanden abzuwenden, muss man seinen Kopf drehen. Das ist aber in diesem Fall unmöglich, da der Kopf des neuen Israels Jesus – und damit Gott selbst – ist. D.h. Gott steht seinem Volk nicht mehr gegenüber, sondern ist mittendrin und sorgt „als Kopf und Steuermann“ dafür, dass der Kurs gehalten wird.

  • Charlie Sheen und die Nutten – oder: Pass auf kleines Auge, was du siehst!

    Charlie Sheen bekommt in der Serie „Two and a half men“ relativ häufig Besuch von Prostituierten. Wobei er selbst den Terminus „Nutte“ benutzt, woran ich mich gerne anschließe, damit der Punkt deutlich wird. Die Diskussion, was daran so alles frauenverachtend ist, würde ich an dieser Stelle allerdings gerne Alice Schwarzer überlassen. Mir geht es nicht um Sexismus, sondern vielmehr um eine Art von Gedankenmanipulation, die von solchen Serien ausgeht, und viele Menschen – so wenigstens meine Meinung – ziemlich negativ beeinflusst.

    Meine Kritik ist zum einen psychologischer Natur, was die meisten vielleicht noch nachvollziehen können, und zum anderen geistlicher Natur, was alle, die meinen Glauben nicht teilen, wahrscheinlich recht seltsam finden werden.

    Also, zu Punkt Nr.1, was passiert mit einem, wenn man das Wort „Nutte“ hört?

    Je nach Kultur und Erfahrungshintergrund weckt der Begriff bei den allermeisten Menschen (hoffe ich) wohl eher negative Gedankenmuster, die mit Assoziationen wie „erniedrigend“, „schmutzig“, „menschenverachtend“ oder „unmoralisch" einhergehen. Nun ist es allerdings so, dass Gedanken nicht für immer und ewig in der (moralischen) Schublade liegenbleiben müssen, in die man sie einmal hineingepackt hat, sondern – je nach Situation, innerhalb derer sie im Kopf aufpoppen – neu bewertet werden können. Ist die Situation insgesamt positiv, dann ist es gut möglich, dass Gedankenstrukturen, die mit eher negativen Gefühlen, Bewertungen und Vorstellungen behaftet sind, auf positiv umgepolt werden. Psychologen nutzen diesen Mechanismus z.B. dazu, um Menschen von Ängsten zu befreien. Hat ein Mensch etwa Angst vor Spinnen, dann sieht die Therapie zumeist so aus, dass der Psychologe durch Entspannungstechniken eine angenehme und gelöste Situation erzeugt, innerhalb derer er den Patienten mit einer Spinne konfrontiert. Da sich der Patient in dieser Situation sicher und geboren fühlt, wird die Spinne neu bewertet und die Angst bleibt aus.

    Wenn nun Charlie Sheen in einer durch und durch heiteren Situation das Wort „Nutte“ in den Mund nimmt und dies, wie zum Beweis dafür, dass da auch wirklich nichts Unanständiges dran ist, von schallendem Konservengelächter untermalt wird, dann ist es denkbar, dass auch hier ein Mechanismus in Gang kommt, innerhalb dessen Gedankenmuster so umgepolt werden, dass der Begriff „Nutte“ auf einmal eher etwas Heiteres und Witziges an sich hat als etwas Unanständiges. Welche Folgen sich daraus ergeben, wenn auf diese Weise eigentlich menschenverachtendes Gedankengut salonfähig wird, das mag ich zwar nicht zu beurteilen. Aber ich befürchte, keine guten.

    Und nun noch schnell zu Punkt Nr. 2; der geistlichen Dimension von alledem.

    Damit man versteht, was ich meine, muss ich dem Punkt allerdings zwei Überzeugungen von mir vorausschicken:

    Erstens: Ich glaube nicht nur an Gott, sondern auch an eine unsichtbare Welt, in der es sowohl gute Mächte (Engel etc.) als auch Dämonen gibt. An eine unsichtbare Welt zu glauben, fällt mir in dem Sinne nicht schwer, als dass Gott selbst für uns ja auch nicht sichtbar ist. Und an dunkle Mächte zu glauben fällt mir nicht schwer, da mir das Böse schon aus dieser Welt nur allzu vertraut ist. Wenn Gott also Menschen geschaffen hat, die den freien Willen haben, sich von ihm abzuwenden, warum sollte er nicht auch andere, für uns unsichtbare Wesen mit der gleichen Potenz geschaffen haben? Zudem ist es übrigens in der Theologie so, dass der Dämonenglaube seit dem dritten Reich wieder zugenommen hat, da man sich auf einmal mit einer Qualität des Bösen auseinandersetzen musste, die man rein menschlich kaum noch erklären konnte.

    Zweitens: Ich glaube daran, dass unsichtbare Mächte Einfluss auf unser Gehirn nehmen können. Das fällt mir wiederum insofern nicht schwer, als dass Worte – von Mensch zu Mensch ausgesprochen – das Potential haben, die kognitive Gehirnstruktur sichtbar und nachhaltig zu verändern. Wenn ich mir zudem überlege, dass unser Bewusstsein nach quantenphysikalischem Verständnis nichts ist, was der Mensch produziert, sondern eher etwas ist, dass der Mensch empfängt, dann kann ich mir vorstellen, dass der Mensch auch die Gedanken unsichtbarer Mächte empfangen kann, die unsere Gehirnstruktur – und damit unser Denken – beeinflussen.

    Ausgehend von diesen beiden Überzeugungen, ist nun meine Theorie, dass jedes Wort, welches wir in uns aufnehmen, eine Art „Trojaner“ ist, mithilfe dessen unsichtbare Mächte Zugriff auf unser Bewusstsein erhalten. Wenn ich also, dass Wort „Nutte“ höre und ich „entpacke“ es, indem ich über dessen Bedeutung nachdenke, dann öffne ich damit gleichzeitig dunklen Mächten eine Tür in meine Gedankenwelt. Die nutzen das, um meine negativen Gedanken zu verstärken und gleichzeitig auch weitere Bereiche meiner Gedankenwelt mit negativen Assoziationen zu infiltrieren.

    Dass ich von alledem gar nichts mitkriege, liegt möglicherweise daran, dass es zwischen mir und unsichtbaren Mächten – im Gegensatz zu mir und anderen Menschen – keine Umwelt gibt, die es mir ermöglicht, meine Gedanken von denen des Anderen abzugrenzen.

    Die Konsequenz von alledem fasst – wie ich finde – ein Wort aus dem Talmud sehr gut zusammen, wobei ich es gerne um den einleitenden Satz „Achte darauf, was du siehst und hörst, denn das formt deine Gedanken“ ergänzen würde.

    Achte auf deine Gedanken,
    denn sie werden zu Worten.
    Achte auf deine Worte,
    denn sie werden zu Handlungen.
    Achte auf deine Handlungen,
    denn sie werden zu Gewohnheiten.
    Achte auf deine Gewohnheiten,
    denn sie werden dein Charakter.
    Achte auf deinen Charakter,
    denn er wird dein Schicksal.

  • Gott und Mensch – die Story in Bildern

    Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Wie er das gemacht hat und wie lange das gedauert hat, spielt dabei erstmal keine große Rolle.

    Universum

    Wichtiger ist schon die Frage, warum Gott die Welt geschaffen hat. Das ist natürlich nicht so leicht zu beantworten, aber auf jeden Fall ist die Welt für Gott nicht nur etwas zum Angucken, sondern etwas, durch das sich Gott selbst verwirklichen will. So wie ein Künstler, der ein Bild malt und da vieles von dem, was er selbst ist, mit einfließen lässt.

    Gemälde

    Aber auch das trifft es noch nicht, denn ein Bild ist irgendwann fertig. Da Gott aber niemals aufhört kreativ zu sein, kann er mit dieser Welt auch niemals fertig sein. Vielleicht ist es daher besser, die Welt mit einem Musikinstrument zu vergleichen, auf dem Gott seine Melodie spielt.

    Geige

    Wichtig dabei wäre allerdings, dass Musiker und Musikinstrument einigermaßen gut zueinander passen. D.h. einem Musikvirtuosen wie Johann Sebastian Bach wäre mit einer Triangel auf Dauer wohl etwas langweilig. Und ebenso wäre möglicherweise auch Gott „gelangweilt“, wenn er sich nur durch Steine und Pflanzen ausdrücken könnte (der Vergleich hinkt zwar auf einem Bein, erfüllt auf dem anderen aber seinen Zweck). Statt Triangel bedarf es also eines Musikinstruments, worin sein Klang ausreichend Widerhall findet. Dieses Instrument ist der Mensch, den Gott – wie auch immer – ins Leben ruft.

    Menschen

    Wenn Musiker und Musikinstrument miteinander harmonieren wollen, dann müssen sie sich auf vielerlei Weise sehr ähnlich sein. Gott hat den Menschen daher zu seinem Ebenbild geschaffen. Damit geht allerdings auch einher, dass der Mensch so etwas wie einen freien Willen besitzt. Folglich hat er die Wahl, ob er sich von Gott überhaupt spielen lassen will oder ob er es vorzieht, selbst einen Klang zu erzeugen, bzw. – was noch schlimmer ist – sich von wem anders spielen zu lassen. Eben dafür entscheidet er sich. Und das hat dramatische Folgen, denn statt himmlischer Melodien, kommen nur schiefe Töne aus ihm raus. Das Leben verkommt zu einer schrecklich tönenden Disharmonie.

    Krieg

    Unter diesem grausamen Spiel leidet natürlich auch das Instrument selbst, das sich nunmehr in einem ganz bedauernswerten Zustand befindet. Gott wäre nicht Gott, wenn er da tatenlos zusehen würde. Um zu helfen, sind es drei Dinge, die er in Angriff nehmen muss. Erstens muss er das Instrument davon überzeugen, dass es für alle das Beste wäre, wenn er (wieder) darauf spielen darf. Zweitens muss er den anderen, „bösen“ Musiker beseitigen und mit ihm auch alle nachschwingenden Disharmonien aus der Welt schaffen. Und drittens muss er das Instrument reparieren und wieder in Schuss bringen. Leben, Tod und Auferstehung Jesu zeugen von alledem. Während seiner Lebenszeit hat er uns von Gottes Liebe „zu seinem Instrument“ überzeugt. Durch das Kreuz hat er den Gegenspieler besiegt sowie alle Disharmonien mit in den Tod gerissen. Und durch die Auferstehung hat er uns wieder hergerichtet und neu zum Klingen gebracht.

    Kreuz

    Die Instrumente spielen also wieder. Doch das nicht zum Selbstzweck. Es passiert, was immer passiert, wenn irgendwo gute Musik – und in diesem Fall sogar göttliche Musik – zu hören ist. Menschen werden eins, die Seelen werden gereinigt und die Welt ein Stück weit neu geschaffen.

    Hände

  • Die Ringparabel: Sind alle Religionen gleich?

    Lessings Ringparabel wird gerne mal herangezogen, um im guten aufklärerischen Sinne deutlich zu machen, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, woran man glaubt, da doch eigentlich alle Religionen gleich wahr (oder falsch) sind.

    Zur Erinnerung: Die Ringparabel handelt von einem Ring, der die Eigenschaft hat, den Ringträger, wie Lessing das formuliert, „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“. Dieser Ring wird über Generationen hinweg vom Vater auf den Sohn vererbt. Bis ein Vater auf einmal drei Söhne hat, die er alle gleich doll liebt. Da er sich nicht entscheiden kann, an wen der Ring übergehen soll, lässt er zwei weitere Ringe anfertigen, die mit dem Original vollkommen identisch sind. Dann stirbt der Vater irgendwann und unter den Söhnen entbrennt ein Streit, welcher Ring denn nun der Echte ist. Der Streit kommt schlussendlich vor einen Richter, der die Sache so sieht, dass der Originalring möglicherweise schon vorzeiten verloren gegangen ist, so dass keiner der drei Ringe echt ist. Falls der echte Ring aber wirklich einer von den dreien ist, dann kann man den Fall jetzt nicht entscheiden, sondern dann muss man abwarten, welcher Ring sich im Laufe der Zeit als echt beweisen wird, indem er den Ringträger zu einem gottgefälligen und menschenfreundlichen Leben verhilft.

    Nun einmal angenommen, Lessing und ich wären damals Kumpels gewesen und er hätte mich nach meiner Meinung gefragt, dann hätte ich ihm nolens volens zu verstehen geben müssen, dass ihm die Geschichte, insofern er sie als Richtschnur für den angemessenen Umgang mit Religion geschrieben hat, nicht allzu gut gelungen ist. Konkret sind es 4 Kritikpunkte, die mir spontan einfallen:

    1. Die Geschichte sagt nicht, dass alle Religionen gleich wahr sind
    Da kann Lessing jetzt nicht viel für, aber irgendwie hat sich die Meinung durchgesetzt, die Ringparabel würde behaupten, dass es einerlei ist, woran man glaubt, weil sich die Ringe (=Religionen) ja sowieso nicht auseinanderhalten lassen. Das sagt Lessing so aber nicht, sondern er sagt, dass die Zeit zeigen wird, welcher Ring sich als echt herausstellt.

    2. Es geht bei Religion nicht primär um Moral
    Lessing knüpft die Echtheit des Rings nicht an seinen Ursprung, sondern an seine Eigenschaft, den Menschen moralisch zu machen. Demzufolge hängt für Lessing auch die Echtheit von Religion nicht davon ab, wie sie entstanden ist, sondern vielmehr davon, wie sie sich auf das Leben auswirkt. Das allerdings sehe ich völlig anders, denn wie schon Paulus in Bezug auf den christlichen Glauben sagt: Ist Jesus nicht tatsächlich von den Toten auferstanden, dann ist euer Glaube umsonst! D.h. wenn Religion nicht den historischen Tatsachen entspricht, dann bleibt von ihr nichts übrig, außer einem ziemlich beliebigen und austauschbaren Regelwerk. Warum es Lessing allerdings trotzdem tunlichst vermeidet, Religion auf seine historischen Wurzeln zurückzuführen, hängt damit zusammen, dass man damals nach allgemeinem Verständnis davon ausging, dass es unmöglich ist, Geschichte zu untersuchen, weil sie ja bereits passiert ist und damit im Dunkeln der Vergangenheit liegt. Daher kommt auch Lessings berühmter „garstiger Graben“, der die Gegenwart von der Vergangenheit abschneidet. Infolgedessen, dass sich dann allerdings irgendwann Geschichte als wissenschaftliche Disziplin etabliert hat und Methoden erarbeitet wurden, die eine Überprüfbarkeit von historischen Ereignissen nach wissenschaftlichen Standards zulassen, hat sich unser Geschichtsverständnis dahingehend weiterentwickelt, dass z.B. ein Theologe wie Tom Wright heutzutage mit Fug und Recht behaupten kann, dass die Fragen rund um die historische Person Jesus beantwortet werden können und beantwortet werden müssen.

    3. Statt Fingerring wäre ein Rettungsring besser gewesen
    Im Grunde geht es bei jeder Religion darum, dass Menschen in irgendeiner Weise gerettet werden (z.B. von Bedrohungen, die durch eine bestimmte Lebenssituation, durch andere Menschen oder durch das eigene (Fehl-)Verhalten ausgelöst werden). Insofern wäre die Ringparabel meiner Meinung nach authentischer, wenn sie nicht von einem Fingerring, sondern von einem Rettungsring handeln würde. Dann allerdings wäre es nicht mehr so egal, wer welchen Ring abbekommt, denn wenn ich beispielsweise in Seenot gerate, wäre es mir schon sehr lieb, wenn ich den Originalring umhätte und nicht irgendeine Kopie, von der ich nicht sicher sein kann, ob sie überhaupt das Zeug hat, mich auch wirklich zu retten.

    4. Es ist gut und wichtig, seinen Glauben zu reflektieren
    In der Ringparabel kommt zum Ausdruck, dass man einem Menschen keinen Strick daraus drehen darf, wenn er der Tradition und dem Glauben seiner eigenen Väter treu bleibt. Da mag etwas dran sein. Auf der anderen Seite wäre wohl überhaupt gar keine Religion entstanden, hätten die Religionsstifter einfach unreflektiert den Glauben ihrer Väter übernommen. Zudem sollte man gerade in Deutschland wissen, wie wichtig es ist, den (ideologischen) Glauben seiner Vorfahren kritisch zu hinterfragen.

  • Was Christen von Buddhisten lernen können

    Wenn Jesus verspricht

    „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“

    dann frage ich mich, woran das liegt, dass nur wenig Menschen die Erfahrung machen, dass Jesus auch tatsächlich „in ihnen wohnt“. Meiner Meinung nach kommen dafür zwei Gründe in Frage:

    1. Da das Versprechen an die Bedingung geknüpft ist, sein Wort zu halten, was wiederum eine natürliche Konsequenz daraus ist, dass man ihn liebt, müsste man sich – sofern man nicht das Gefühl hat, dass „Jesus und der Vater in einem wohnen“ – ernsthaft fragen, ob da mit der Liebe zu ihm irgendwas nicht stimmt.

    Sofern das geklärt ist, kommt eigentlich nur noch ein zweiter Grund in Frage.

    2. Möglicherweise ist nicht das Problem, dass „Jesus nicht in einem wohnt“, sondern das eigentliche Problem ist, dass man selbst gerade außer Haus ist – und deswegen keine Begegnung stattfinden kann. Man ist also hier und dort, man zerstreut sich mit diesem und jenem, aber nur ganz selten ist man wirklich „bei sich“. Glaubt man den Psychologen, dann hat das auch mit einer zunehmenden Angst zu tun, allein mit sich zu sein – so, als ob man die Stille in sich nicht ertragen kann und deshalb ganz bewusst nach Ablenkung und Zerstreuung sucht. Möglich ist aber auch, dass viele unter einer Art geistlichem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leiden. Das wäre vielleicht vergleichbar mit dem Fall, dass man sein Haus bereits so vollgepackt (zugemüllt) hat, dass man von den vielen glänzenden und blinkenden Dingen viel zu sehr abgelenkt ist, um sich auf nur eine Sache konzentrieren zu können. Jesus wäre dann so etwas wie ein Ehepartner oder WG-Bewohner, der das ernste Gespräch mit einem suchen würde, während man selbst satt und faul auf der Couch rumlungert und Fernsehen guckt. Dass diese Gespräche zumeist nicht besonders tief gehen, davon kann so mancher (in der Regel sind es Frauen) ein Lied singen.

    Nun muss natürlich nicht jeder gleich zu meditieren anfangen, um seine eigene Mitte zu finden (was gut wäre), aber ein bisschen weniger Hektik in einem und um einem herum könnte helfen, um das, was im Verborgenen ist, auch wahrzunehmen.

  • Grausame Bibelstellen? – den ungehorsamen Sohn steinigen

    In Bezug auf Dinge, die man nicht versteht, gibt es mindestens drei Möglichkeiten, damit umzugehen. Erstens, man kann sie ignorieren, was ich in dem Fall für angemessen halte, wenn es sich um banale oder irrelevante Dinge handelt, die man auch nicht unbedingt verstehen muss. Zweitens, man kann sie so stehen lassen und abwarten, ob man nicht im Laufe der Zeit auf befriedigende Antworten stößt. (Wenigstens in meinem Leben ist es dann meistens auch genauso gekommen). Und drittens, man kann sein Gehirn anschmeißen und schauen, ob man nicht auch durch Nachdenken weiterkommt. Im folgenden Fall will ich es mal mit Methode Nr. 3 versuchen, wobei ich keinerlei Gewähr darauf geben kann, ob das, was hinten rauskommt, richtig ist.

    Hier nun die Bibelstelle, um die es mir geht:

    „Gesetzt den Fall, ein Sohn ist widerspenstig und stur; er hört nicht mehr auf seinen Vater und seine Mutter. Soviel sie ihn auch ermahnen und bestrafen, es nützt nichts. Er macht, was er will. Dann sollen seine Eltern ihn zu den führenden Männern bringen, die am Stadttor Gericht halten. Sie sollen zu ihnen sagen: "Unser Sohn hier gehorcht uns nicht. Er ist unverbesserlich und hört nicht auf, zu schlemmen und zu saufen." Darauf sollen alle Männer der Stadt ihn steinigen. Denn ihr müsst alles Böse aus eurem Volk beseitigen! Alle Israeliten sollen von der Bestrafung hören, damit sie gewarnt sind.“

    Damit klar ist, über welches Problem wir hier reden: Nicht, dass der ungehorsame Sohn überhaupt bestraft wird, stört mich, sondern dass die Strafe übertrieben hart ausfällt.

    Was also ist dazu zu sagen?

    Pinchas Lapide weist zunächst einmal daraufhin, dass in der Geschichte Israels kein einziger Fall bekannt ist, in dem die Strafe auch tatsächlich vollzogen wurde. Ihm zufolge ging es also nicht darum, ungehorsame Söhne zu steinigen, sondern durch „das in Aussicht stellen“ von drakonischen Strafen, Söhne davon abzuhalten, überhaupt ungehorsam zu sein.

    Daran anlehnend könnte man vielleicht auch sagen: Gott gibt den Menschen das Gesetz, damit sie sich moralisch korrekt verhalten, aber er gibt ihn auch die Weisheit, um bei Fehlverhalten Barmherzigkeit walten zu lassen.

    Das hört sich nun eigentlich ganz gut an, bringt aber mindestens 2 Probleme mit sich:

    1. Wenn ich von Vornherein aberkenne, dass „seinen Eltern gegenüber ungehorsam sein“ ein Vergehen ist, das den Tod verdient hat, mache ich damit nicht Gott zum Lügner?

    2. Wenn ich Barmherzigkeit walten lasse, widersetze ich mich damit nicht Gottes Anweisungen?

    Wie also komme ich aus der Misere raus?

    Die Antwort findet sich m.E. (wie so oft) bei Jesus. Denn der stellt zunächst einmal fest, dass nicht nur ein ungehorsamer Sohn die Todesstrafe verdient hat, sondern dass selbst derjenige, der seinen Bruder schon einmal als Idioten bezeichnet hat, bereits „des höllischen Feuers schuldig ist.“ Damit fällt sowohl sein Urteil über die Schwere von Schuld als auch über das richtige Strafmaß weitaus radikaler aus als an jeder beliebigen Stelle im alten Testament.

    Indem Jesus aber alle denkbaren menschlichen Vergehen auf eine Stufe stellt, ist es nun praktisch unmöglich, auch nur in einem Fall Barmherzigkeit zu üben. Denn jedem ist klar, dass man bei Mord oder Vergewaltigung nicht einfach Milde walten lassen kann. Wenn aber Schuld gleich Schuld ist, dann muss man für Verleumdung (oder was „jemanden einen Idioten nennen“ auch immer für ein Delikt darstellt) das gleiche Strafmaß ansetzen wie für Mord oder Vergewaltigung.

    Um das ganze Schlamassel an dieser Stelle ein bisschen zu raffen: Wir haben das Problem, dass (nach göttlichem Verständnis) alle Menschen gleich schuldig sind und daher auch alle die Todesstrafe verdient haben. Die Lösung, die Gott für dieses Problem parat hat, dürfte hoffentlich den meisten bekannt sein. Ich will es in einem Satz sagen: Gott hat den einzig Unschuldigen schuldig gesprochen, um damit alle anderen zu entlasten. Wenn das aber stimmt, dann wage ich es, in Bezug auf die Sache mit der Steinigung folgende These aufzustellen:

    Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz ein für allemal für Gerechtigkeit gesorgt. Weil dieses Geschehen zeitlos gültig ist, ist es auch rückwirkend gültig. Und aus diesem Grund konnten auch die Juden im alten Testament Barmherzigkeit üben, ohne dass dadurch Gottes Gerechtigkeit ins Wanken gerät.

  • Wie man Gott verstehen lernt

    Man sagt, dass nur 20 Prozent dessen, was ich einem anderen Menschen erzähle, auch genauso bei ihm ankommt. Die anderen 80 Prozent werden von ihm entsprechend seiner eigenen Denkmuster und mentalen Programme uminterpretiert. Und so kommt es dann auch, dass man als Beifahrer nur höflichst darauf aufmerksam machen will, dass die Ampel gerade auf Grün umgesprungen ist, und bei der Fahrerin so etwas ankommt, wie:

    „Fahr endlich, du Blindfisch, oder wollen wir hier parken? Ach ne, ich vergaß, du bist ne` Frau, das kannst du ja gar nicht. Ein Wunder, dass du überhaupt Auto fahren kannst!“

    Aber wie nun umgeht man solche Missverständnisse? Das Zauberwort heißt Kommunikation, was zugegebenermaßen einfacher klingt, als es ist. Denn Kommunikation beinhaltet auch so Sachen wie aktives Zuhören, den anderen reflektieren, sich mit seinen Gedankengängen auseinandersetzen und im Idealfall – das ist der Königsweg – den Standpunkt des anderen nicht sofort auseinandernehmen, sondern zunächst einmal einnehmen. Im Ergebnis geht es darum, die jeweiligen mentalen Programme aufeinander abzustimmen, d.h. zu verstehen, was der andere denkt und in angemessener Weise darauf zu reagieren.

    Wie mit Menschen, so ist es nun auch mit Gott. D.h. um Gott richtig und unmissverständlich zu verstehen, muss ich mich zunächst einmal mit dem, was er ist und denkt auseinandersetzen. Nun ist das aber gar nicht so einfach, denn in den seltensten Fällen findet Kommunikation zwischen Gott und Menschen in mündlicher Rede statt. Mündliche Rede ist allerdings auch zwischen Menschen nicht das einzige Mittel, um sich kennenzulernen. Darüber hinaus kann man z.B. die Briefe, Tagebücher oder – falls vorhanden – die Biografie des anderen lesen. Man kann seine Freunde und Verwandten aufsuchen und diese über ihn ausfragen. Oder man kann – falls ein Dialog deshalb nicht zustande kommt, weil man eine Mittelohrentzündung hat und daher vorübergehend schwerhörig ist – trotzdem das Gespräch suchen und den anderen durch Zeichen und Taten antworten lassen. Kurzum – und auch auf die Gefahr hin, dass es abgedroschen klingt – wenn die Bibel eine Art schriftliches Dokument über Gott ist, wenn die Gemeinschaft der Gläubigen Gottes Familie ist und wenn Gott auf Gebet reagiert, dann kann „in der Bibel lesen“, „in die Kirche gehen“ und „zu Gott beten“ auf jeden Fall nicht schaden, um Gott verstehen zu lernen.

    Wie bei der Kommunikation zwischen Mensch und Mensch ist auch hierbei das letztendliche Ziel, unsere mentalen Programme auf Gott abzustimmen, damit wir dann, wenn er A meint, nicht B verstehen. Das allerdings kann ein mühseliger Prozess sein, z.B. dann, wenn wir unser ganzes Leben fälschlicherweise davon ausgegangen sind, dass das, was Gott unter A versteht, B ist. Es könnte also sein, dass unser Verständnis von z.B. Liebe auf Fernsehserien wie „Verbotene Liebe“, „Rosamunde Pilcher“ oder „Two and a half men“ basiert und wir nun geschockt feststellen, dass Gott darunter etwas völlig anderes versteht.

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