Charlie Sheen bekommt in der Serie „Two and a half men“ relativ häufig Besuch von Prostituierten. Wobei er selbst den Terminus „Nutte“ benutzt, woran ich mich gerne anschließe, damit der Punkt deutlich wird. Die Diskussion, was daran so alles frauenverachtend ist, würde ich an dieser Stelle allerdings gerne Alice Schwarzer überlassen. Mir geht es nicht um Sexismus, sondern vielmehr um eine Art von Gedankenmanipulation, die von solchen Serien ausgeht, und viele Menschen – so wenigstens meine Meinung – ziemlich negativ beeinflusst.
Meine Kritik ist zum einen psychologischer Natur, was die meisten vielleicht noch nachvollziehen können, und zum anderen geistlicher Natur, was alle, die meinen Glauben nicht teilen, wahrscheinlich recht seltsam finden werden.
Also, zu Punkt Nr.1, was passiert mit einem, wenn man das Wort „Nutte“ hört?
Je nach Kultur und Erfahrungshintergrund weckt der Begriff bei den allermeisten Menschen (hoffe ich) wohl eher negative Gedankenmuster, die mit Assoziationen wie „erniedrigend“, „schmutzig“, „menschenverachtend“ oder „unmoralisch" einhergehen. Nun ist es allerdings so, dass Gedanken nicht für immer und ewig in der (moralischen) Schublade liegenbleiben müssen, in die man sie einmal hineingepackt hat, sondern – je nach Situation, innerhalb derer sie im Kopf aufpoppen – neu bewertet werden können. Ist die Situation insgesamt positiv, dann ist es gut möglich, dass Gedankenstrukturen, die mit eher negativen Gefühlen, Bewertungen und Vorstellungen behaftet sind, auf positiv umgepolt werden. Psychologen nutzen diesen Mechanismus z.B. dazu, um Menschen von Ängsten zu befreien. Hat ein Mensch etwa Angst vor Spinnen, dann sieht die Therapie zumeist so aus, dass der Psychologe durch Entspannungstechniken eine angenehme und gelöste Situation erzeugt, innerhalb derer er den Patienten mit einer Spinne konfrontiert. Da sich der Patient in dieser Situation sicher und geboren fühlt, wird die Spinne neu bewertet und die Angst bleibt aus.
Wenn nun Charlie Sheen in einer durch und durch heiteren Situation das Wort „Nutte“ in den Mund nimmt und dies, wie zum Beweis dafür, dass da auch wirklich nichts Unanständiges dran ist, von schallendem Konservengelächter untermalt wird, dann ist es denkbar, dass auch hier ein Mechanismus in Gang kommt, innerhalb dessen Gedankenmuster so umgepolt werden, dass der Begriff „Nutte“ auf einmal eher etwas Heiteres und Witziges an sich hat als etwas Unanständiges. Welche Folgen sich daraus ergeben, wenn auf diese Weise eigentlich menschenverachtendes Gedankengut salonfähig wird, das mag ich zwar nicht zu beurteilen. Aber ich befürchte, keine guten.
Und nun noch schnell zu Punkt Nr. 2; der geistlichen Dimension von alledem.
Damit man versteht, was ich meine, muss ich dem Punkt allerdings zwei Überzeugungen von mir vorausschicken:
Erstens: Ich glaube nicht nur an Gott, sondern auch an eine unsichtbare Welt, in der es sowohl gute Mächte (Engel etc.) als auch Dämonen gibt. An eine unsichtbare Welt zu glauben, fällt mir in dem Sinne nicht schwer, als dass Gott selbst für uns ja auch nicht sichtbar ist. Und an dunkle Mächte zu glauben fällt mir nicht schwer, da mir das Böse schon aus dieser Welt nur allzu vertraut ist. Wenn Gott also Menschen geschaffen hat, die den freien Willen haben, sich von ihm abzuwenden, warum sollte er nicht auch andere, für uns unsichtbare Wesen mit der gleichen Potenz geschaffen haben? Zudem ist es übrigens in der Theologie so, dass der Dämonenglaube seit dem dritten Reich wieder zugenommen hat, da man sich auf einmal mit einer Qualität des Bösen auseinandersetzen musste, die man rein menschlich kaum noch erklären konnte.
Zweitens: Ich glaube daran, dass unsichtbare Mächte Einfluss auf unser Gehirn nehmen können. Das fällt mir wiederum insofern nicht schwer, als dass Worte – von Mensch zu Mensch ausgesprochen – das Potential haben, die kognitive Gehirnstruktur sichtbar und nachhaltig zu verändern. Wenn ich mir zudem überlege, dass unser Bewusstsein nach quantenphysikalischem Verständnis nichts ist, was der Mensch produziert, sondern eher etwas ist, dass der Mensch empfängt, dann kann ich mir vorstellen, dass der Mensch auch die Gedanken unsichtbarer Mächte empfangen kann, die unsere Gehirnstruktur – und damit unser Denken – beeinflussen.
Ausgehend von diesen beiden Überzeugungen, ist nun meine Theorie, dass jedes Wort, welches wir in uns aufnehmen, eine Art „Trojaner“ ist, mithilfe dessen unsichtbare Mächte Zugriff auf unser Bewusstsein erhalten. Wenn ich also, dass Wort „Nutte“ höre und ich „entpacke“ es, indem ich über dessen Bedeutung nachdenke, dann öffne ich damit gleichzeitig dunklen Mächten eine Tür in meine Gedankenwelt. Die nutzen das, um meine negativen Gedanken zu verstärken und gleichzeitig auch weitere Bereiche meiner Gedankenwelt mit negativen Assoziationen zu infiltrieren.
Dass ich von alledem gar nichts mitkriege, liegt möglicherweise daran, dass es zwischen mir und unsichtbaren Mächten – im Gegensatz zu mir und anderen Menschen – keine Umwelt gibt, die es mir ermöglicht, meine Gedanken von denen des Anderen abzugrenzen.
Die Konsequenz von alledem fasst – wie ich finde – ein Wort aus dem Talmud sehr gut zusammen, wobei ich es gerne um den einleitenden Satz „Achte darauf, was du siehst und hörst, denn das formt deine Gedanken“ ergänzen würde.
Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal.