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  • Wo man so alles Gott findet

    Augustinus meinte einmal, Gott ist höher als mein Höchstes und inniger als mein Innerstes. Gott ist also nicht mein Höchstes oder mein Innerstes, das wäre Pantheismus, sondern Gott wartet an der Schwelle meines Höchsten oder Innersten. Und ich ergänze, auch Weitesten, denn der geistige Blick geht nicht nur nach oben oder innen, sondern vor allem zur Seite.

    Dass Gott höher als mein Höchstes ist, und somit dort ansetzt, wo für meinen Verstand die Luft bereits dünn wird, erinnert mich an ein Zitat von Heisenberg, von wegen, der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch, doch auf dem Boden des Bechers wartet Gott.

    Wie mit dem Höchsten, so aber auch mit dem Innersten. Oben ist das Wasser noch trüb – eingetrübt von den eigenen Dämonen, für die der Dreck, den man ständig in seinem Herzen produziert, genau das richtige Badewasser ist. Dort ist von Gott natürlich keine Spur, ganz im Gegenteil, wahrscheinlich macht auch diese Brühe atheistisch. Aber je tiefer man taucht, desto klarer wird das Wasser, bis man ganz unten, im Kern des eigenen Herzens, auf einmal gute Sicht hat und an der Schwelle der ungetrübten Selbsterkenntnis Gott findet.

    Wie mit dem Innersten, so aber nun auch mit dem Weitesten. Wobei, um das deutlich zu machen, nicht Australien am weitesten entfernt ist, sondern mein Mitmensch. D.h. ich brauche viel länger, um zu dem Herzen eines anderen Menschen durchzudringen als nach Australien zu gelangen. Ebenso wie ich aber auf der Reise in mein Innerstes mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert werde, so werde ich auf der Reise zu meinem Mitmenschen mit seinen Unzulänglichkeiten konfrontiert - und freilich auch denen, die zwischen uns liegen. Aber auch hier gilt, je weiter ich vordringe, desto weniger Steine liegen im Weg, bis ich irgendwann, am Ende dieser Reise, auf einen Menschen treffe, so wie er wirklich ist, und in ihm nicht nur mich selbst entdecke, sondern dahinter auch Gott.

    Wie gesagt hat das alles nichts mit Pantheismus zu tun, denn es ist nicht so, dass man das, was man im Verstand, im Nächsten oder in sich selbst findet, dann einfach Gott nennt, sondern es ist eher so, dass man an einen Punkt kommt, der den Blick über den Verstand, den Nächsten oder sich selbst hinaus schärft und man dort, wo man nicht mehr von dem künstlichen Licht dieser Welt geblendet wird, ein paar Strahlen von Gottes Licht einfängt.

  • Freiheit – wie viele Wege führen zu Gott?

    Man möge mich nicht auf den Wortlaut festnageln, aber wenigstens der Richtung nach hat Hegel einmal so etwas gesagt wie, dass Freiheit der Wille zur Endlichkeit ist. Weniger geschwollen ausgedrückt meint er damit eigentlich nur, dass man sich entscheiden muss. D.h. wer Obst essen möchte, der darf an der Theke nicht nach Obst verlangen, sondern nach einem Apfel oder einer Birne. Oder es hilft auch nichts, wenn man Frauen an sich mag, aber sich nicht für eine bestimmte, meinetwegen Brunhilde, entscheiden kann.

    Freiheit verwirklicht sich demnach immer im Konkreten. Und das heißt natürlich auch, dass mit Freiheit immer Begrenztheit einhergeht. Denn sobald ich mich auf Brunhilde einlasse, werde ich gleichzeitig von Brunhilde begrenzt; inklusive dem Risiko, dass das mit Brunhilde nicht klappt oder spätestens der Tod uns einmal scheiden wird. Vielleicht redet Hegel deswegen von einer Willensentscheidung für die Endlichkeit.

    Wenn nun Gott die Freiheit schlechthin ist, dann sollte man sich nicht wundern, wenn dieselben Prinzipien auch auf ihn zutreffen und er sich im wahrsten Sinne des Wortes für die Endlichkeit entscheidet. D.h. entscheidet er sich für uns, dann kann er sich nicht für den Menschen als Idee oder im Allgemeinen entscheiden, sondern dann muss seine Entscheidungsfreiheit konkret werden und sich in Zeit, Raum und Geschichte verwirklichen. So gesehen macht es dann aber auch Sinn, dass Gott an einem konkreten Ort (Palästina) zu einer konkreten Zeit (zurzeit von Kaiser Augustus) die Weltbühne betritt, um als konkreter Gemeinschaftspartner in einer konkreten Situation mit konkreten Menschen Gemeinschaft zu haben.

    Wenn das aber stimmt, dann geht es womöglich gar nicht so sehr darum, wie viele Wege zu Gott führen, sondern dann ist die entscheidende Frage, welchen Weg Gott einschlägt, um zum Menschen zu gelangen.

  • Freiheit – nicht Wollen, sondern Sollen

    Noch einmal kurz zur Freiheit. So wie ich ja beim letzten Mal schon festgestellt habe, dass im Empfangen mehr Freiheit steckt als im Tun, so steckt, frei nach Kant, im Sollen auch mehr Freiheit als im Wollen. Denn wenn ich etwas will, dann könnte man fragen, warum ich es will, wobei sich dann gemeinhin herausstellt, dass ich, alle Motive, warum ich es will, zusammengenommen, gar nicht anders kann als es zu wollen. Wenn ich aber etwas soll, dann könnte ich, obwohl ich anders wollte, trotzdem dem Sollen gehorsam sein.

    Wenn ich also etwas will, dann bin ich leicht Sklave meines eigenen Wollens. Wenn ich dagegen etwas soll, dann bin Ich es, der sich zwischen dem Sollen und dem Wollen entscheiden muss – und somit, weil ich überhaupt zwei Optionen habe, zwischen denen ich mich entscheiden kann, frei.

    So gesehen könnte man auch sagen, dass echte Freiheit darin besteht, auf eine Forderung, die an mich herangetragen wird, zu antworten. Beziehungsweise dann könnte man auch sagen: Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen.

  • Freiheit - nicht Leisten, sondern Empfangen

    Ein interessanter Gedanken, wenngleich noch nicht ganz ausgereift. Freiheit drückt sich ja gemeinhin darin aus, dass einem keine Hindernisse in den Weg gelegt werden. Das wiederum bedeutet, dass Freiheit immer etwas mit Bewegung zu tun, denn erst, wenn ich mich bewege, gibt es überhaupt die Möglichkeit, mich zu begrenzen. Und das gilt natürlich nicht nur für körperliche Bewegung, sondern insbesondere auch für geistige. Je stärker ich demnach geistig aktiv bin, desto mehr Freiheit genieße ich. Und hier könnte jetzt ein Plädoyer kommen, sich nicht durch Kommerz und Konsum versklaven zu lassen. Oder ich könnte dazu ermuntern, sich nicht nur einseitig zu bilden, da Gedanken, die sich im Kreis drehen, keine freien Gedanken sind. Aber beides ist nicht mein Anliegen.

    Mit geht es vielmehr um die bescheidene Einsicht, dass unsere Aktivität, und damit unsere Freiheit, dann am größten ist, wenn wir augenscheinlich passiv sind – wenn wir also nicht leisten, sondern empfangen. Was ich meine, zeigt sich am besten im Kontrast zwischen Reden und Zuhören. Zwar bin ich beim Reden scheinbar aktiver, aber da ich länger konzentriert Reden als Zuhören kann, scheint das Zuhören weitaus mehr Aktivität vorauszusetzen – und somit auch mehr Freiheit zu bedingen.

    Andere Beispiele finden sich im Sexuellen, worauf ich nicht näher eingehen will, aber Alice Schwarzer sollte ruhig mal darüber nachdenken, oder natürlich im Religiösen. Wenn Jesus also sagt, „Empfangt den Heiligen Geist!“, dann könnte man meinen, dies sei ein einmaliger Akt und dann hätte man ihn. Aber um es mit Erich Fromm zu sagen, geht es auch in diesem Fall eben nicht um das Haben, sondern um das Sein. Also darum, sich mit einem ganzen Sein und seiner ganzen Aktivität kontinuierlich auf Gott auszurichten, um in einem freiwilligen Prozess Freiheit zu empfangen.

    Denn das muss man ja auch noch bedenken, dass Freiheit nicht nur von der Empfängnisbereitschaft abhängt, sondern auch von dem, was man empfängt. Das heißt, es macht einen großen Unterschied, ob man konzentriert Gott oder dem Teufel zuhört. Aber genauso macht es eben auch einen großen Unterschied, ob ich Gott konzentriert oder gleichgültig zuhöre. Auf öffentlichen Toiletten sehe ich z.B. immer wieder, wie Menschen sich „die Hände waschen“ indem sie den Wasserhahn für den Bruchteil einer Sekunde auf- und wieder zudrehen. Vielleicht ist es dasselbe mit Gott. Vielleicht werden wir deswegen nicht richtig sauber, weil die Tradition uns gelehrt hat, es genüge, schnell mal die Fingerspitzen unters Wasser zu halten.

  • Spricht die Größe des Universums gegen einen Gott?

    Spätestens seitdem klar ist, dass wir weder der Mittelpunkt des Universums sind noch die Sterne am Himmel hängen, hat so manch einer diesen komischen Verdacht, das da oben, über dem Firmament, doch kein Gott wohnt, der auf uns aufpasst. Oder man könnte auch fragen, wenn es einen Gott gibt und der Mensch die Krone seiner Schöpfung ist, warum verliert sich der Mensch dann in einem riesigen Universum?

    Erwähnt habe ich ja schon einmal das anthropische Prinzip, welches ungefähr besagt, dass Leben nur unter einer ganz bestimmten und sehr seltenen Konstellation möglich ist. Wäre das Universum also kleiner, dann wäre damit auch die Wahrscheinlichkeit geringer, das Leben entsteht.

    Oder man geht wie C.S. Lewis von einem verschwenderischen Gott aus, der nicht nur ein ganzes Universum schafft, um Leben auf einem einzigen unscheinbaren Planeten am Rande des Universums entstehen zu lassen, sondern auch ein ganzes Volk erwählt, um göttliches Leben aus einer einzigen unscheinbaren Frau am Rande der Gesellschaft hervorzubringen.

    Oder man könnte auch meinen, dass wir zwar nicht in der geographischen Mitte des Universum leben, aber dafür sehr wohl in dessen ontologischen Mitte, vielleicht genauso wie Berlin zwar nicht geographisch, aber dafür hinsichtlich seiner Bedeutung und Aufgabe in der Mitte Deutschlands liegt.

    Und da ist man auch schon ganz nah an Blaise Pascal, der es ebenfalls für schwachsinnig hielt, von der Größe des Universum auf die Existenz oder Nichtexistenz Gottes zu schließen, da Gott sowieso eine Ebene drüber liegt und sich zum Universum verhält wie die Linie zum Punkt oder die Fläche zur Linie.

  • Warum Glaube wichtig ist

    Ist es eigentlich so, dass der Mensch gläubig ist, weil die Welt so ist wie sie ist oder ist die Welt so wie sie ist, damit wir glauben? Und wenn zweites der Fall ist, warum ist Glaube eigentlich so wichtig, dass irgendwie alles auf ihn hinausläuft? Denn betrachtet man die Dinge bei Tage, dann ist es doch scheinbar wirklich so, dass Glaube so etwas wie die Essenz des Lebens ist. Wobei ich damit nicht nur den transzendenten Glauben meine, sondern auch den ganz gewöhnlichen Glauben, aus dem heraus wir unser Leben meistern. Also den Glauben zum Beispiel, überhaupt erst aufzustehen oder das Auto oder Flugzeug zu besteigen, weil man davon ausgeht, dass schon alles gutgehen wird. Und nicht nur wir Menschen haben Glauben, auch die Tiere und vielleicht sogar in einem ganz rudimentären, monadischen Sinne vielleicht sogar die Pflanzen.

    Ganz überhaupt würde ich das Leben auf drei Grundprinzipien bringen: Bedürfnis, Hingabe und Glaube. Vogelküken z.B. haben (genauso wie die Menschen) Bedürfnisse wie Hunger oder Schutz. Die Vogelmutter gibt sich ihnen hin, bzw. opfert sich auf, indem sie Zeit und Energie darauf verwendet, die Jungen überhaupt einmal auszubrüten und dann mit der entsprechenden Menge an Würmern zu versorgen. Und im Ernstfall, wenn z.B. die böse Katze den Baum hochklettert, geht ihre Fürsorge sogar so weit, dass sie sich im buchstäblichen Sinne aufopfert, um das Leben der Jungen mit Haut und Federn zu verteidigen (wobei ich allerdings kein Ornithologe bin, es kommt wahrscheinlich auch etwas auf die Größe von Raubtier und Vogel an; im Verhältnis Spatz zu Katze wird der Spatz wahrscheinlich eher um sein Leben fliegen als sich auf einen Kampf einzulassen). Jedenfalls entwickelt sich in diesem Wechselspiel von Bedürfnis auf der einen und Hingabe auf der anderen Seite so etwas wie Glaube, der die Jungvögel dazu befähigt, der Vogelmutter soweit zu vertrauen, dass sie sich auf ihr Kommando in die Tiefe stürzen, um das Fliegen zu lernen.

    Natürlich spielt bei der ganzen Geschichte auch der Instinkt eine große Rolle, aber ich würde schon sagen, je höher ein Wesen entwickelt ist, desto stärker greifen diese Prinzipien. Und das ist jetzt nun im Bezug auf den Menschen ja auch das große Problem, denn geben bei Tieren die Instinkte und bei Pflanzen das biologische Programm vor, wie sie sich zu verhalten haben, wird der Mensch von ganz unterschiedlichen und diffusen Motiven gesteuert. Und so kommt es dann, dass der Mensch, gerade weil er vernunftbegabt ist, sich unvernünftig verhalten kann und sich eben nicht in der Weise hingibt oder aufopfert wie es für die Ausbildung von Glaube und Vertrauen notwendig wäre.

    Ein Alkoholikervater zum Beispiel. Prinzipiell opfert er sich auch auf, indem er z.B. arbeiten geht und somit für seine Familie sorgt. Aber das Opfer wird dadurch getrübt, dass er daneben dann doch noch seine ganz eigenen, egoistischen Ziele verfolgt, bzw. statt sich selbst aufzuopfern, seine Familie der Alkoholsucht opfert. Im Ergebnis führt der Mangel an Opferbereitschaft dann zumeist dazu, dass die Kinder insofern Schaden nehmen, als dass der Vater nicht dazu fähig war, ihnen das lebensnotwendige Maß an Vertrauen mitzugeben.

    Wenn sich aber Hingabe und Glaube proportional zueinander verhalten, dann hat generell jeder Mensch das Problem, keinen vollkommenen Glauben ausbilden zu können, weil auf der anderen Seite kein Mensch zu einem vollkommenen Opfer fähig ist, da alle Menschen immer auch ihrer egoistischen Natur folgen. Wenn aber somit jeder Mensch ein Vertrauensdefizit hat, dann kommt er damit in einer sowieso defizitären Welt möglicherweise noch klar – insofern sein Ziel aber eine ewige, vollkommene Welt ist, bedarf es möglicherweise eines vollkommenen Opfers, das ihn vollkommenes Vertrauen lehrt.

    Und hier komme ich, wie eigentlich auch sonst immer, auf Jesus zu sprechen. Und beiläufig bietet es sich an, auch auf die Theodizeefrage einzugehen, warum also Gott das Leid zulässt. Denn man könnte meinen, dass es für Gott doch ein Leichtes wäre, das Leid einfach aus der Welt zu schaffen. Wenn aber Vertrauen die Grundlage des Lebens ist und es daher für uns notwendig ist, dass wir lernen, vollkommen zu vertrauen, dann macht es Sinn, dass Gott nicht einfach die Dinge von oben regelt, sondern dass er die Seiten wechselt, um sich uns sowohl im Leben als auch im Sterben vollkommen hinzugeben. In diesem Sinne ist Jesus der notwendige und endgültige Beweis dafür, dass Gott eben keine egoistischen oder gar hinterhältigen Motive und Gedanken hat (wie z.B. die antiken Götter) und somit tatsächlich vollkommen vertrauenswürdig ist.

  • Gott – unsichtbar und trotzdem da?

    Nach etwas längerer Pause würde ich heute Abend doch gerne mal wieder zu den Tasten greifen. Wo war ich also stehen geblieben? Ach ja, Gott. Nach wie vor ein spannendes Thema. Zum Beispiel habe ich mich gerade eben noch gefragt, wie das eigentlich sein kann, dass Gott da ist, also hier ist, um mich herum ist, vielleicht gerade neben mir steht, sogar in mich hineingehen kann – und man dennoch nichts von seiner Anwesenheit mitkriegt. Also nichts im Sinne von nichts Signifikantes, Valides, empirisch Verwertbares. Ich meine, elektromagnetische Wellen oder Radiowellen oder sonst irgendwelche Wellen kann ich immerhin noch messen, Atome sogar sehen, vorausgesetzt, ich habe zufällig gerade ein Elektronenmikroskop zur Hand. Aber Gott? Den kann ich weder sehen, noch messen – was natürlich den Verdacht schürt, dass es ihn gar nicht gibt. Aber auf der anderen Seite, wir reden hier von Gott, seinerseits Schöpfer des Universums. Und als solcher natürlich kein Teil davon, sondern grundlegend anders. Und daher muss es dann wohl auch so sein, dass sich Gott, selbst wenn er anwesend ist, nicht nachweisen lässt, denn ließe er sich nachweisen, wäre er Teil von Zeit und Raum und damit nicht Gott. So wie halt auch Goethe entweder der Autor vom Faust oder eine Figur im Faust ist, aber nicht beides sein kann. Wobei der Vergleich natürlich insofern hinkt, als dass Goethe und Faust immerhin noch zwei unterschiedlichen Dimensionen angehören (die von Faust endet am Buchdeckel), während man bei Gott ja noch nicht einmal davon reden kann, dass er überhaupt irgendeiner Dimension angehört. Denn wenn Gott Schöpfer von allem ist, dann kann es eigentlich keine Dimension geben, die ihm ein zu Hause bieten würde, da er ja auch diese Dimension geschaffen hätte und somit über sie hinausgeht. Wobei ich damit jetzt natürlich auch nicht behaupten möchte, dass Gott nirgends, also noch nicht einmal im Himmel zu Hause ist. Nur würde ich damit schon sagen wollen, dass selbst der Himmel ihn nicht fassen kann. Und daher darf man sich wohl auch nicht der Illusion hingeben, dass man Gott irgendwann einmal, zum Beispiel im Himmel, in Gänze zu Gesicht bekäme; was wir von Gott erkennen wird immer nur ein kleiner Teil – der uns zugewandte Teil – dessen sein, was Gott ist. Und nun staune ich an dieser Stelle selbst, wo mich der Text hinführt, denn ich merke, dass ich in diesem Zusammenhang nicht von Gott reden kann, ohne auch auf Jesus zu sprechen zu kommen. Denn Gott ist und bleibt ein großes Mysterium, sofern er sich uns nicht in irgendeiner Form offenbart. Wenn also in dem Sinne Jesus von sich sagt, dass, wer ihn sieht, den Vater sieht, dann heißt das für mich, dass Jesus Gott ist so wie ein Meerestropfen das Meer ist. D.h. genauso wie der Meerestropfen und das Meer wesensgleich sind (beide bestehen aus Salzwasser) und ich daher, um zu wissen, wie das ganze Meer schmeckt, nur den einen Meerestropfen schmecken muss, so sind auch Gott und Jesus wesensgleich, weswegen ich, wenn ich mich mit Jesus beschäftige, gleichsam auch mit Gott beschäftige.

  • Der Trick des Teufels

    Der von mir sehr geschätzte Joseph Ratzinger meinte einmal, der Unterschied zwischen Gott und Teufel liegt darin, dass Gott dem Menschen einen Namen gibt, während der Teufel Nummern verteilt. Und das ist eigentlich auch schon der ganze Trick. Der Teufel reduziert den Menschen auf seine Funktion. Ohne freien Willen und Persönlichkeit. Denn wer nur noch funktioniert, der braucht weder das eine noch das andere. Und das macht es für den Teufel dann auch so leicht, seine Ziele zu verfolgen, denn wer keinen Willen hat, der leistet auch keinen Widerstand und man kann ihn formen wie Wachs.

    Letztlich ist das wie mit Drogen. Ist man erst einmal abhängig, dann dreht sich alles um den nächsten Rausch, wobei das eigene Leben immer mehr an Bedeutung verliert, bis man sich selbst irgendwann nicht mehr als Person begreift, sondern nur noch als Gegenstand, mithilfe dessen sich Drogen beschaffen oder konsumieren lassen.

    Und wie mit Drogen, so ist das wohl auch mit politischen oder religiösen Wahnvorstellungen. NAZI-Deutschland ist in dem Zusammenhang ein gutes Beispiel, um deutlich zu machen, was mit Menschen passiert, die sich blind und bedingungslos einer kranken Ideologie verschreiben. Und dabei ist es sogar egal, ob man die Ideologie überhaupt verstanden hat, in aller Regel genügt es, die kranke Luft einzuatmen, die einen umgibt. Oder aktuell der ISIS-Terror. Menschen mutieren zu Zombies, die nur Befehle ausführen, aber ihren Sinn für das Leben längst hinter sich gelassen haben.

    Das generelle Problem bei alledem ist wahrscheinlich, dass der Mensch als Beziehungswesen gar nicht anders kann als in Abhängigkeiten zu leben. Gehen dann die guten Abhängigkeiten, z.B. zur Familie oder zu echten Freunden, verloren, dann ist die Gefahr groß, dass sich in diesem Vakuum schlechte Abhängigkeiten breit machen.

    Warum die guten Abhängigkeiten aber überhaupt verloren gehen, liegt wohl daran, dass keine Beziehung perfekt ist und daher die eigentlich guten Abhängigkeiten schnell ins Negative verkehren. D.h. es ist gut, wenn die Mutter ihr Kind beschützen will, aber es ist schlecht, wenn sie es besitzen will. Oder es ist gut, jemanden helfen zu wollen, aber es ist schlecht, jemanden dadurch kontrollieren zu wollen. Weil daher eigentlich jede Beziehung ständig davon bedroht wird, durch falsche Forderungen und Erwartungen unterlaufen zu werden, kann der Mensch nur in Beziehung zu Gott eine vollkommen gesunde Abhängigkeit erleben. Denn Gott gängelt nicht. Gott ist Freiheit. Und wer von der Freiheit abhängig ist, der ist wirklich frei.

  • Das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder: Gibt es einen Weg zurück zu Gott?

    Ich setze das Gleichnis vom verlorenen Sohn einfach mal als Kulturgut voraus. Die klassische Interpretation lautet, dass sich der Mensch von Gott abwendet, um seinen eigenen Weg zu gehen, wobei er scheitert und dann doch wieder zu Gott zurückfindet. Das klingt annehmbar, ist allerdings nicht das, was Jesus im Sinn hatte. Jedenfalls nicht, wenn man dem Theologen Tom Wright Glauben schenkt. Das Gleichnis ist also im eigentlichen Sinne kein Prototyp für eine persönliche Bekehrungsgeschichte, sondern worum es geht, ist die Geschichte Israels ins Exil und aus dem Exil zurück. D.h. es ist das ganze Volk Gottes, das sich von Gott abwendet und als Konsequenz daraus ins Exil muss. Indem Jesus nun den verlorenen Sohn zum Vater zurückfinden lässt, sagt er, dass Israel zu Gott zurückfinden wird. Der Kniff ist aber nun, dass Jesus, indem er von Israel redet, von sich selbst redet. Er ist Israel. Er ist Gott und er ist Mensch. Bzw. er verkörpert Gott und als Mensch verkörpert er Israel. Jesus nimmt den Platz Israels am Schweinetrog ein. Und Jesus ist es, dem es gereut und zum Vater zurückkehrt. Indem er sich aber voll und ganz mit Israel identifiziert, kehrt in ihm gleichsam auch das ganze Volk zum Vater zurück. Allerdings selbstredend nur, wenn es sich selbst voll und ganz mit Jesus identifiziert. Denn nur dann sieht der Vater den heimkehrenden Sohn und durch den Sohn hindurch sein heimkehrendes Volk.

    Heruntergebrochen auf die persönliche Ebene heißt dies, dass der Mensch soweit von Gott entfernt ist, dass er, auf sich allein gestellt, niemals zu ihm zurückfinden wird. Daher ist es praktisch unmöglich, sich auch nur einen Meter auf Gott zu zu bewegen. Stattdessen ist es Gott selbst, der in Jesus die komplette Strecke, die zwischen ihm und uns liegt, überwindet, um uns genau dort, wo wir gerade stecken, abzuholen und zurück zum Vater zu bringen. Wenn Jesus demnach sagt „Ich bin der Weg...niemand kommt zum Vater denn durch mich“, dann heißt dies, dass nur er allein den Weg zurück kennt und wir gut daran tun, uns an seine Ferse zu heften.

    Wenn sich aber nun der Vater mit dem Sohn und der Sohn mit dem Gottesvolk identifiziert, wobei das Gottesvolk jedes einzelne Mitglied repräsentiert, dann ist die Reise zurück zu Gott kein Singletrip, sondern dann ist es – und dies ist mein Plädoyer für die Kirche – ein gemeinschaftliches Voranschreiten in den Fußstapfen von Jesus.

  • Gott und Geist – real, aber unsichtbar

    Ich denke gerade an einen blauen Ball mit einem ganz bestimmten grün gezacktem Muster. Ist dieser Ball real? Und wenn ich ihn aufmale, ist das Bild von dem Ball dann real? Und wenn ich dieses Bild Adidas schicke, damit die daraus einen Ball fertigen, hat dieser Ball, der ja offenkundig real ist, mehr Realität als der Ball in meinem Kopf? Ich denke nicht, denn abzüglich meiner Idee von dem Ball, würde von dem echten Ball nur ein Stück Gummi oder Leder übrigbleiben.

    Wenn aber meine Idee von dem Ball – die ja ein Gedanke ist, der ja Geist ist – mehr Realität hat, als der Ball selbst, obwohl die Idee weder messbar noch sichtbar ist, dann ist es relativ logisch, dass Gott, der ja auch Geist ist und damit unsichtbar, viel mehr Realität zukommt als den Dingen, die wir vor Augen haben.

    Die Dinge sind sozusagen nur ein Ausdruck des Geistes, nur das Papier, welches der Geist mit Inhalt füllt. Und so gesehen ist es mit Gott und uns vielleicht so ähnlich wie mit Goethe und Werther. Beide gehören unterschiedlichen Dimensionen an und dennoch trägt Werther die Spuren Goethes.

    Aber weg vom Buch und wieder hin zum Gehirn. Wenn also ein Gedanke an sich zwar nicht messbar ist, aber sehr wohl die neuronale Struktur, die der Gedanke im Gehirn hinterlässt, dann ist das mit Gott vielleicht auch so. Dann können wir ihn zwar nicht sehen, aber dennoch seine Spur verfolgen, die sich durch die Welt zieht wie eine Neuronenkette durchs Gehirn.

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